| ON STAGE: DAS ICH, PTYL, THE ETERNAL AFFLICT... |
| Webzine - Eventberichte |
| Geschrieben von: Stefan Surkamp |
| Mittwoch, 14. Dezember 2005 um 17:00 Uhr |
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Lange angekündigt war es – und entsprechend groß war die Resonanz auf das „Endless Danse Macabre Festival“ im Roxy-Concerts. Was dort an diesem Abend geboten wurde ging dann auch über einen bloßen Konzertabend hinaus. Partystimmung war angesagt! Neben dem israelischen Vertreter der Industrial-Sparte PTYL, den Legenden THE INVINCIBLE SPIRIT und THE ETERNAL AFFLICT gab an diesem Abend auch die lang herbeigesehnte Formation DAS ICH ihr erstes Konzert in dieser Location. Begonnen wurde pünktlich, soviel steht fest. Aber wer gleich vier Bands an einem Abend auftreten lassen will, der muss sich zeitlich sehr genau abstimmen. Zumal der gesamte Tross am nächsten Tag an das andere Ende der Republik – nach Ludwigsburg – reisen sollte. Schon kurz vor 21:00 betraten PTYL die Bühne, kaum dass man alle Freunde und Bekannten im Publikum begrüßt hatte. Harte Klänge des aktuellen Albums mit dem passenden Titel „Hell Sounds“ leiteten das Set ein. Und was man da zu hören bekam waren industriallastige Töne der Extraklasse. Auch der nahe Osten hat also einiges im elektronischen Bereich zu bieten – interessant! Über die Bühnenshow dagegen darf man getrost geteilter Meinung sein. Ein Blick ins Publikum verriet, dass - vor allem bei dem an Fetisch angelehnten Intermezzo mit PTYLs Bühnenpartnerin - durchaus kontroverse Meinungen kursierten. Eindeutig sehenswert jedoch waren die visuellen Untermalungen vom Beamer, welche zeitweise sehr interessante Einblendungen zeigten. Gute 45 Minuten dauerte die Show der DanseMacabre-Neuverpflichtung. Musikalisch überzeugend war sie in jedem Falle, an der Performance darf aber noch gefeilt werden.
Nächster Gast auf der Bühne des Roxy-Concertswar die schon legendäre Band THE ETERNAL AFFLICT, die die Massen seinerzeit mit dem Club-Hit „San Diego“ begeisterte, welcher inzwischen zum regelrechten Evergreen mutiert ist. Doch vor die Pflicht wurde hier wie üblich die Kür gesetzt. Doch wer glaubt, TEA ließen sich auf diesen einen Song reduzieren, der irrt gewaltig! Was die Herren musikalisch im Gepäck hatten, konnte sich durchaus sehen lassen. Es gab einen guten Querschnitt durch das langjährige Wirken der Truppe, die sich während der EDM-Tour mit Gastsängerin Linda Matthews verstärkt hatte. Der berühmte Funke zum Publikum sprang dann an dieser Stelle auch endgültig um – nicht zuletzt dank Bruno Kramm, der sich an dieser Stelle schon einmal unter das heimische Publikum gemischt hatte und sich direkt vor der Bühne einen Eindruck vom Wirken seiner Tourbegleiter verschaffte und diese nach Kräften anfeuerte. Ausgelassen wurde nun vor der Bühne getanzt und die Zuschauer schienen vergessen zu haben, worauf sie anfangs noch mit großer Spannung gewartet hatten. Doch natürlich ließen sich TEA zunächst einmal bitten – Zeit für die Zugabe. Und dann war es soweit „Ladies and gentleman! I’d like to introduce you: The extraodinary sensation! Ladies and gentleman: THE ETERNAL AFFLICT!” Nun brachen sämtliche Dämme im Publikum und die Halle fiel mit Freuden in die Lyrics zu “San Diego” ein. Erfreulich, dass man diesen Song musikalisch nicht verunstaltet hat, wie man es z. B. bei L’ame Immortelle bei ihrer letzten Tour beobachten konnte, als diese eine kaum wieder zu erkennende Version ihres Hits „Bitterkeit“ auf das Publikum losließen. Nachdem TEA nach etwa einer Stunde die Bühne für den dritten Act des Abends freimachten, lichteten sich die Reihen vor der Bühne zusehends und man sah den Zuschauern an, dass sie nun zunächst eine kleine Erfrischung nötig hatten – dieses Konzert hatte es in sich gehabt. Doch kaum mehr als eine Viertelstunde blieb für die Stärkung übrig, denn nun war es Zeit für THE INVINCIBLE SPIRIT. Als Parallele zu TEA darf man hier anführen, dass die anwesenden Zuschauer auch hier auf ein ganz bestimmtes musikalisches Bonbon warteten. Wer kennt nicht den treibenden Beat von „Push!“, dem Song, der TIS bekannt und beliebt gemacht hat?! Diesmal musste das Publikum sich jedoch nicht so lange gedulden, bis es bekam was es begehrte: Bereits nach guten 20 Minuten wurde man hier erlöst. Und man darf staunen. Auch nach fast zwanzig Jahren hat dieser Clubtrack nichts von seinem ursprünglichen und minimalistischen Charme eingebüßt. Allerdings war man geneigt Frontman Thomas Lüdke an dieser Stelle leichte Ermüdungserscheinungen zuzugestehen, schließlich haben TIS mehr zu bieten; derzeit arbeitet die Band sogar an einem neuen Album, welches besonders von der Fans der ersten Stunde sehnsüchtig erwartet wird. Das Konzert war insgesamt gesehen eine sehr solide Leistung der Elektroniker, was man dem weiterhin begeisterten Publikum deutlich ansehen konnte. Angesichts der niedrigen Temperaturen im Saal war die Feierstimmung dann auch für die wenigen nicht so tanzfreudigen Gäste von Vorteil. Headliner des Mini-Festivals waren DAS ICH, die durch den ständig durch den Saal wuselnden Bruno bereits im Vorwege Präsenz bei den Fans zeigten. Bereits vor dem Konzert hatte dieser am Merch-Stand einige Hände voll zu tun, um die Autogrammwünsche zu erfüllen. Schließlich aber war es soweit und man durfte sich auf die Live-Performance von DAS ICH freuen. Seit nunmehr 16 Jahren mischen Stefan Ackermann und Bruno Kramm die Szene auf und das bis heute erfolgreich wie eh und je. Auf die Bühne brachten Sie dabei nicht nur Tracks ihres aktuellen Albums „Lava/Asche – Lava/Glut“ (welches im kommenden März von einem weiteren Longplayer abgelöst werden wird), sondern natürlich auch Klassiker wie „Destillat“. Besonderer Clou für die Backgroundakteure Bruno und Kain Gabriel: Die Synthies und Workstations waren auf rollenden Boards montiert, die es den beiden erlaubten, sich nach Belieben sowohl im Background als auch am Bühnenrand aufzuhalten, ohne dabei Instrumente und Mikrofone verlassen zu müssen. Doch auch Stefan Ackermann hatte sich etwas einfallen lassen. Sein Mikroständer war eine abenteuerlich verschweißte Apparatur, an dem sein Arbeitsgerät in alle Richtungen schwenkbar montiert war. Bewegungsfreiheit und Halt also zugleich für den Derwisch der Bühnen!
Über eine Stunde begeisterten DAS ICH das Flensburger Publikum, ehe es zum großen Finale dieses Festivals kam. Kaum schallten die ersten Töne des Ur-Hits „Gottes Tod“ durch den Saal, geriet das Publikum in die durch diesen Song praktisch automatisch entstehende Ekstase. Doch das bloße Herunterspielen des Tracks ist DAS ICH nicht genug. Deshalb hatte man sich etwas besonderes einfallen lassen: Plötzlich leitete man einen Wechsel zu „San Diego“ ein und schon standen THE ETERNAL AFFLICT mit DAS ICH auf der Bühne und sangen noch einmal ihren größten Hit als Duett. Doch damit nicht genug! Als das Publikum schon völlig aus dem sprichwörtlichen Häuschen war, erfolgte ein weiterer Wechsel und noch einmal durfte man von THE INVINCIBLE SPIRIT „gepusht“ werden. Als man zusammen wieder zu „Gottes Tod“ mobilisierten die Zuschauer ihre letzten Kraftreserven und fielen in laute „Gott ist tot“-Rufe mit ein. Ein Zuschauer dazu: „Wenn es DOCH einen Gott gibt, dann fahren wir für diesen Abend garantiert in die Hölle!“ Besser kann man es nicht ausdrücken. Punktum. |

