ON STAGE: ASP
Webzine - Eventberichte
Geschrieben von: Stefan Surkamp   
Montag, 23. Oktober 2006 um 19:31 Uhr
live_2006_10_22Die Erkenntnis des Abends für mich: Bei ASP gehen mir so langsam die Superlative aus. Es ist mehr als beeindruckend zu erleben, dass eine Band sich immer wieder neu erfinden kann. Und das nicht nur mit neuem Soundmaterial sondern auch mit Abwandlungen von mittlerweile zu Klassikern mutierten Stücken. ASP bewiesen wieder einmal, dass sie ihre Ausnahmestellung zu Recht einnehmen.

Gespannt durfte man vor allem auf die Vorband sein, die ASP auf dieser Tour dabei haben, die DOPE STARS INC.. Zu gut hatte man noch die Damen und Herren SEELENZORN in Erinnerung, die sich 2005 als Support bei der "Aus Der Tiefe"-Tour in die Herzen vieler ASP-Fans gespielt haben. Wer allerdings ähnlich hochkarätiges Material von den italienischen Glamrockern erwartet hatte, wurde wohl ein wenig enttäuscht. Pünktlich um 21:00 Uhr betraten 5 Herren die Bühne, deren Outfit und Styling... Stop! An dieser Stelle werde ich mich gleich vorab rechtfertigen, denn ich ringe schon seit dem Konzert mit mir und diesem Vergleich. Es tut mir leid, ich kann einfach nicht anders! Sie sahen aus wie die erwachsene Version von Tokio Hotel. Nun sollte der Leser aber keine voreiligen Schlüsse daraus ziehen, denn musikalisch hatten die Südeuropäer durchaus etwas zu bieten, wenngleich man als ASP-Fan möglicherweise mit ein wenig Befremden auf den relativ harten Stil der Dope Stars reagierte. Mit einem Mann am Synthesizer, einem Bassisten, zwei Gitarristen und Sänger Victor Love legte die Band sofort voll los und versuchte Leben in die ehrwürdige Markthalle zu Hamburg zu bringen. Und das mit Erfolg: Schon gegen Mitte des ersten Songs kam Bewegung in den Bereich vor der Bühne. Und die Feierlaune fand auch schnell ihren Weg in die hinteren Reihen. Mit der Zeit offenbarte sich jedoch eine wirkliche Schwäche der Glamrocker, denn manch einer konnte sich mitten im Set des Gefühls nicht erwehren, dass er diesen Song schon einmal irgendwo gehört hatte - es fehlte einfach die Modulation, die musikalischen Überraschungen. Irgendetwas, an das man sich auch in einem halben Jahr noch erinnert, wenn der Name "Dope Stars Inc." fällt. Schade, denn ihre Klasse beweisen nicht nur die vielen positiven Kritiken, die sie allein mit ihrem Debüt-Album "Neuromance" quer über den europäischen Kontinent eingeheimst haben. In jedem Falle lohnt es sich, diese Band im Auge zu behalten.

40 Minuten Support und eine erfreulich kurze Umbaupause später war es dann endlich soweit: Himmi, Tossi, Matze und ASP betraten nacheinander die Bühne und legten gleich mit der aktuellen Singleauskopplung "Ich Bin Ein Wahrer Satan" des bald erscheinenden Albums los. Kein unbekannter Song mehr, denn einen Vorgeschmack gab' es bereits bei den Festival-Konzerten des "M'era Luna" und "ZwischenWelten"-Festival in diesem Sommer zu hören. Auch dort eröffneten ASP bereits ihr Set mit diesem Titel. Knappe zwei Wochen nach dem Release der Single ist der Song dann offenbar schon zu einer neuen Szene-Hymne avanciert, denn das Publikum erwies sich schon hier als sehr textsicher. Ohne Verschnaufpause ging es mit "Weltunter" weiter und jedermann wusste, dass an diesem Abend wieder einmal auch ältere Stücke wieder auf die Bühne kommen würden. Das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb ASP zu den wohl beliebtesten Live-Bands der Szene gehören: Jede Tour und jeder Festivalauftritt bietet etwas anderes, neues, so noch nicht gehört und/oder gesehenes. In Hildesheim war es die neue Single, in Koblenz ein Feuerwerk zum Konzertabschluss. Am heutigen Abend war es dann "Die Kleine Ballade Vom Schwarzen Schmetterling", die sehr lange ihr Dasein abseits der Bühne hatte fristen müssen. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dieses Stück schon einmal live gehört zu haben.

Nachdem sich Saal und Band einig waren, dass sowohl das Münchner als auch das Frankfurter Publikum nicht so toll sind, wie das Hamburger, stand dann die Live-Premiere des auf dem kommenden Album enthaltenen "Krabat" auf dem Programm, das - weil ebenfalls auf der Vorab-Single enthalten - von den fans ebenfalls schon kräftig mitgesungen wurde. Danach gönnten ASP sich und dem Publikum bei "Ich Komm' Dich Holn" ein wenig Erholung, denn mittlerweile hatten die Temperaturen die übliche Markthallenmarke erreicht: Um die 35°, Luftfeuchtigkeit ca. 70%. Tendenz: Steigend. Irgendwas muss ja schließlich auch sein wie immer. Aber die "Pause" währte nur kurz, denn schon ging es mit "She Wore Shadows" weiter und selbst wenn man gewollt hätte - die Beine bleiben bei diesem Tanzflächenfüller ohnehin nicht ruhig. Neben "ME" und einer weiteren Premiere mit dem Song "6th Of September", kamen ASP noch bis zu "Sing Child", bevor die ersten 'Wir wollen brennen!'-Rufe durch den Saal schallten. Als könne er gar nciht verstehen, dass man darum noch betteln müsste, antwortete ASP lapidar und mit einem wissenden Lächeln "Das werdet Ihr. Und wir auch noch...". Diesmal allerdings nur buchstäblich, denn die flammenspuckenden Rohre hatte man diesmal nicht im Gepäck. Möglicherweise wohlweislich, denn in Koblenz hätten selbige dem Gitarristen Matze beinahe die schöne Lockenpracht gekostet. Allzu lange musste dann auch niemand mehr warten, denn ASP haben "Ich Will Brennen" auf dieser Tour aus den Zugaben herausgenommen und an das Ende des Hauptprogramms gesetzt. Nachdem sich die Besucher als ein fantastischer Chor erwiesen hatten, schlossen ASP den musikalischen Kreis mit der nochmals performten ersten Strophe samt Refrain von "Ich Bin Ein Wahrer Satan" und verabschiedeten sich vorerst.

Selbstverständlich wurde lautstark protestiert - was unverzüglich Wirkung zeigte. Nach "Stille Der Nacht" legten ASP bei "Werben" noch einmal ein paar Kohlen auf's Feuer: Ein beeindruckendes Solo von Matze und ein hektisches Stakkato zum Ende dieses Tracks zeugten davon, das hier noch Kraftreserven vorhanden waren. und das galt auch für das Lager der Fans, denn diese baten die Band nach deren neuerlichem Bühnenabgang nochmals lautstark auf die Bühne. Es folgte eine kleine Lerneinheit mit Matze unter dem Motto 'Wie stimmt man eine Gitarre' und schon kam der "Schwarze Schmetterling" auf die Ohren geflattert.

Doch es ist kein ASP-Konzert komplett, wenn das Publikum nicht zusammen mit ASP die Qualen von "Und Wir Tanzten" durchlitten hat. Ganz am Ende des Sets stand nun diese schwere Prüfung bevor. Wieder einmal warf es ASP auf die Bühne, als er diesen schwersten aller Songs sang. Hatte er kurz vorher noch gewitzelt, dass die Band hinter der Bühne kurz überlegt habe, ob sie morgen aufhören sollte weil "...es sowieso nicht mehr schöner werden kann...", so stand ihm nun der Schmerz wieder einmal deutlich ins Gesicht. Doch auch dieses Lied geht einmal vorbei und mit ihm ein wieder einmal beeindruckendes Konzert. Der Band stand noch eine weite Reise nach Stuttgart bevor, die sie hoffentlich gut überstanden hat.
 
Valid XHTML & CSS | Template Design Dark Eden | Copyright © 2004 - 2010 by NORTHERN-GOTHICS.DE