| TERMINAL CHOICE: "Electro-Fans sagen 'Weichspülrock' " |
| Webzine - Interviews |
| Geschrieben von: hilfsuser |
| Montag, 20. November 2006 um 00:26 Uhr |
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Seit mittlerweile immerhin 13 Jahren sind Terminal Choice im Geschäft und haben in dieser langen Zeitspanne mehr erreicht, als andere Bands in 20 Jahren und mehr nicht hinbekommen. Die vier Berliner Jungs bewegten sich mit dem letzten Album "Menschenbrecher" weg vom straighten Elektro hin zu gitarren-lastigerem Industrial-Rock und haben damit etliche alte Fans verprellt, aber auch viele neue hinzubekommen. Dabei sind solche Wandlungen im künstlerischen Ausdruck durchaus nachvollziehbar. Wie schlimm wäre es, wenn man über Jahrzehnte auf einer Stufe verharren und sich nicht weiterentwickeln würde? Und so setzen Terminal Choice den einmal eingeschlagenen Weg auch mit der aktuellen CD "New Born Enemies" konsequent fort und haben damit ihr endgültiges Meisterstück abgeliefert. Chef und Sänger Chris Pohl gab freundlich nähere Auskunft. NG: Hi Chris, zunächst einmal Glückwunsch zum gelungenen neuen Album „New Born Enemies“. Beim Hören hatte ich den Eindruck, dass es leidenschaftlicher, extrovertierter, vielleicht ehrlicher ist als Eure bisherigen Alben. Wo siehst Du die wesentlichen Unterschiede zu dem letzten Album „Menschenbrecher“ und den Alben davor? CP: Da hast du recht...Was mir besonders am Herzen liegt ist die Ehrlichkeit....Wenn wir nur den Erfolg hätten kopieren wollen, dann hätten wir auch die Menschenbrecher kopiert...Aber das wollten wir nicht! Ich habe die Songs mit Louis geschrieben, das unterscheidet schon mal die Arbeitsweise...Und außerdem sind wir an die New Born Enemies einfach freier rangegangen...Bei der MenschenBrecher haben wir eben noch überlegt, was wir "dürfen" und was nicht...Immer im Hinblick auf die Reaktion der Fans..Diesmal wollten wir uns von allen Zwängen befreien... NG: Welche Bedeutung steht hinter „New Born Enemies“, also „neu geborene Feinde“? CP: Das hängt mit unserer Langen Schaffenspause zusammen...Mit diesem Album nach so langer Zeit fühlten wir uns einfach neugeboren...Und da wir unseren Style zum Leidwesen einiger Fans noch etwas in die Rockecke geschoben haben, war uns bewusst, dass die ewig gestrigen damit nicht klarkommen...Man hat uns tatsächlich teilweise ganz schon angemacht...Wir wurden also Feinde..Das wusste ich natürlich vorher und somit haben wir mit dem Titel mal wieder allen den Wind aus den Segeln genommen...Ich liebe es... NG: In den Texten auf dem Album geht es oft um verlorene Liebe, Enttäuschungen, Seelenpein. In welchem Kontext steht der Albumtitel zu diesen Texten? CP: Gerade zu diesen Themen natürlich in keinem Zusammenhang...Wobei man das ja auch nach einer Beziehung so sehen kann..Man ist zusammen alles ist toll und nach der Trennung hasst man sich und hat einen Feind mehr...Tatsächlich stehen aber eher die Texte von "Call Me" oder "Like This" in Zusammenhang....Einfach dann, wenn man mit dem System nicht konform geht...Wenn man in irgendeiner Art gegen bestehende Regeln verstößt...Dann wird man zum Feind....Und je mehr Leute sich diesem Widerstand anschließen, desto mehr neu geborene, dazu kommende Feinde gibt es, die die eingefahrenen Strukturen unseres Systems aufbrechen wollen... NG: Das Album beginnt mit einer launigen „Introduction“, also einer Art Gebrauchsanleitung für dieses Album, welche vor den Risiken und Nebenwirkungen warnt. Wie kamt Ihr auf diese doch rewcht ungewöhnliche Idee? CP: Ich wollte kein Standard-Intro und dem Hörer auf lustige Weise einen Ratschlag geben, wie er die Platte hören soll...Ich habe öfters so komische Gedanken... NG: Wie wäre es beim nächsten Mal mit einem Warnhinweis auf dem Cover; wie bei Zigarettenschachteln: „Terminal-Choice-Hören gefährdet ihre Gesundheit“ ;-) ? CP: Na ja...das wäre ja nich wirklich richtig...Eigentlich denke ich ja, dass TC das Leben der Menschen verbessert...Wenn man uns richtig einnimmt.... NG: Nach dem eingängigen und treibenden „Golden Days“ folgt direkt ein alter Bekannter: „Don´t Go“ (im Original von Yazoo) in einer rockigen Version. Was verbindet Euch speziell mit diesem Song und warum habt Ihr gerade ihn als Cover ausgewählt? CP: Es war der Erste Song, den ich auf dem Synthi spielen konnte...Also die Hookline...somit bot er sich an...Wir dachten außerdem, dass es witzig ist gerade einen Song aus einer ganz anderen Richtung zu covern... NG: Die meisten Künstler „verstecken“ Coverversionen gerne am Ende einer Platte oder auf den hinteren Plätzen einer Maxi. Bei Euch prangt der Song an prominenter Stelle auf Platz 3 des Albums. Das sagt, meine ich, viel aus über die Bedeutung, die Ihr dem Song beimesst. CP: Na ja, wir haben ihn als Maxi vorher veröffentlicht, somit war er schon wichtig und außerdem war er einer unserer ersten Songs, die wir für die Platte geschrieben haben...Daher schon mal wichtig..:dazu kommt, dass der Song so wie er jetzt klingt, auch von uns sein könnte...Viele kennen das Original nicht mal... NG: Das Album ist unterteilt durch die kurzen Soundcollagen „Enemy One“ und „Enemy Two“. Deren bedeutung hat sich mir ehrlich gesagt noch nicht entschlossen. Kannst Du mir auf die Sprünge helfen? CP: Nö....He,he..nein, das sind einfach Zwischenstücke, die Jenne gebastelt hat um die rockige Platte aufzulockern...Wir haben ihnen eben nicht irgendwelche Namen gegeben, sondern sie als Feinde bezeichnet, weil sie den rockigen Flow unterbrechen, was allerdings eben auch beabsichtigt war...sie sind wie Fremdkörper und das ist gut so... NG: „New Born Enemies“ klingt gradliniger, straighter und mehr auf den Punkt als „Menschenbrecher“. Kann man sagen, dass Ihr mit diesem Album das Ziel einer musikalischen Reise erreicht habt? CP: Ich hoffe nicht! Die Reise muss weitergehen! Aber es stimmt schon...Es zeigt unseren heutigen Stand...Mehr hätten wir nicht rausholen können... NG: Stellenweise erreichen die Tracks Härtegrade, die mich an Zeromancer oder gar Ministry erinnern. Geht Ihr mit diesen Vergleichen konform? CP: Danke! Das nehmen wir in jedem Falle mal als Komplement!!! Lustig ist nur, dass Electro-Fans sagen, die Platte ist nicht hart sondern Weichspülrock... He,he... Dabei ist es definitiv unsere härteste Platte...Aber 4/4 Beats mit 160 bpm ist für Electros wohl eher hart...Nur kompositorisch halt nicht..Unser Drummer hat jedenfalls geschwitzt! NG: Ich mag mich irren, aber ich meine, dass auf dem neuen Album erstmals alle Texte auf englisch eingesungen wurden, während Ihr bislang ab und zu auch deutschsprachige Titel hattet. Ist das Absicht oder Zufall? CP: Eher Absicht! Wir wollten nichts deutsches, weil ich denke, zu dieser Musik passen englische Texte besser, kommen auch cooler rüber...Mit dieser Musik und deutschen Texten rückt man wieder zu nah an Oomph! oder Rammstein...Wir mögen dieses amerikanische Feeling und daher...nix deutsch! NG: Inwieweit spielen persönliche Erfahrungen, Erlebnisse oder auch Verletzungen eine Rolle bei Euren Texten? CP: Na eine große Rolle...Ich sage immer wieder gern, dass ich nur über Dinge singe, die mich auch interessieren..Ich könnte auch pseudo-intellektuelle Texte schreiben aber dit fetzt nich, wa?! Ich liebe es, meine Probleme oder Gedanken in Texten zu verarbeiten..Die sind eben mal so mal so... NG: Ziemlich beeindruckend finde ich z.B. den Track „Nothing“, welcher erst resigniert und schleppend „You Meen Nothing To Me“ intoniert, um dann in einem wütend-aggressiven Ausbruch zu enden. Bitte in Zukunft mehr davon :-)) CP: Aber gerne... Ja, das ist auch der einzige ganz alleine von mir geschriebene und aufgenommene Track... Er spiegelt mein momentanes Gefühlschaos wieder. NG: Während wir dieses Interview führen, seid Ihr grad auf Tour, um das neue Album vorzustellen. Wie ist es bislang aus Eurer Sicht gelaufen? CP: Tja...Also, die Leute die da waren, haben uns das Gefühl gegeben, dass es cool ist, was wir machen! Es waren durchweg geile Stimmungen und die Leute haben gerockt...Ehrlicherweise kann ich sagen, dass wir vor 3 Jahren mehr Leute hatten..Das liegt sicher an unserem etwas anderen Style..Die Electro-Fans haben wir wohl verloren..Aber genauso ehrlich wie das Album sind unsere Konzerte und ich werde wieder, genau wie vor zehn Jahren alles daran setzten, die Leute von TC zu überzeugen!!! Wir fangen eben jetzt auf kleinerem Level an und müssen Aufbauarbeit leisten, den Leuten zeigen, dass TC SO noch viel cooler ist... NG: Am Ende des Albums habt Ihr mit „Rockstar“ und „Wrong Business“ zwei Songs, die etwas kritisch mit den Klischees Sex & Drugs und Glamour der eigenen Zunft ins Gericht gehen. Kann man tatsächlich ausschweifende Orgien auf TC-Touren voraussetzen *zwinker*? CP: Ja kann man...Es ist wirklich so, dass man als Musiker schon viele Gelegenheiten hat...Ich bin aber jemand, der das Ganze kritisch sieht und der nicht nur Sex haben will, weil er ein Rockstar ist...Bei allem muss der Mensch im Vordergrund bleiben!!! Man sollte sich also nicht immer nur wie ein Star benehmen..."Rockstar" geht an Manson, denn den habe ich als überzogenen Star kennen gelernt, was ich für voll daneben halte...Brian Molko von Placebo hingegen ist ein freundlicher und umgänglicher Mensch obwohl er ein Star ist! DAS ist eher mein Ding!!! NG: Womit vertreibt Ihr Euch auf so einer Tour die Zeit im Bus? CP: Schlafen, Etwas trinken, Blödsinn labern und gucken, wie man auch nach 6 Stunden noch vernünftig im kleinen Bus sitzen kann... NG: Neben TC gibt es ja noch die erfolgreichen Projekte „Blutengel“ (Chris) und „Staubkind“ (Louis). Gibt es dazu Neuigkeiten? CP: Klar... Mit Blutengel bringe ich am 01.12 die Maxi "My Saviour" raus und ich arbeite schon parallel seit einem halben Jahr am Album...Auch Louis werkelt schon fleißig, so dass es von Staubkind Anfang nächsten Jahres ein neues Album gibt... NG: Verschiebt sich durch den Erfolg der neuen TC-Veröffentlichung die Gewichtung der Projekte untereinander? CP: Nein....Alles wird gleich gewichtet und alles ist auch anders in der Produktion....Jedes Projekt, an dem wir arbeiten ist uns in diesem Moment zu 100 % wichtig! Wir wollten da keine Abstufungen machen... NG: Schauen wir in die Kristallkugel und werfen einen Blick in die Zukunft: Die Szene wird immer kommerzieller; gleichzeitig bildet sich ein immer stärker werdender „Untergrund im Untergrund“. Wie beurteilst Du diese Entwicklung und wie wird sie Deiner Meinung nach weiter gehen? CP: Oooh jaaa!!! Tja, Leider ist es so...Ich denke irgendwann werden die erfolgreichen Bands noch erfolgreicher und sogar vom Mainstream anerkannt (Oomph!, Apop...) Dieser Untergrund in der Szene..Ich weiß nicht warum es so ist aber wenn man eben erfolgreich ist, wird man in der Szene nicht mehr so doll gemocht...es ist schade und es war auch nicht so, denn früher waren Sisters oder Cure Mainstream aber auch Stars in der Szene...Das ist ein sehr heikles Thema und ich würde mir wünschen, dass die Szene bald wieder toleranter gegenüber sich selbst wird... NG: Euer Label Out Of Line ist ja einer der größeren Fische im Haifischbecken Musikbusiness; steht also noch gut da. Auf der anderen Seite verschwinden mehr und mehr kleinere Label, während die großen Majors nach wie vor Millionen für Stars von gestern wie z.B. Bruce Springsteen locker machen können und wollen. Wie lange kann dieser Anachronismus noch gut gehen? CP: Ich weiß auch nicht... Auch im Rahmen der Online-Mentalität ist es schwer, da Aussagen zum machen. Out Of Line hat sicher noch Glück, weil es die kleinen Bands durch die großen mitfinanziert. Es ist wirklich schwer, denn an meinem eigenen Label sehe ich das ja. Geld verdienen kann man damit nur schwer, es sei denn, man ist eben eines der großen Labels. Vielleicht sollten einige Labels kooperieren, so wie ich es schon mit Fear Section und Out Of Line tue... Ich weiß es nicht und ich glaube, das weiß keiner im Moment... NG: Noch eine abschließende Frage zu Terminal Choice: Liegt das Projekt nach Abschluss Eurer Tour zunächst auf Eis oder wie geht es weiter? Immerhin lagen zwischen „New Born Enemies“ und „Menschenbrecher“ ganze drei Jahre?! CP: Nein! Es wird immer weiter gehen mit TC..Jetzt wo wir unseren Style perfektioniert haben, wissen wir auch gleich, wie wir rangehen können..Somit fallen die ganzen technischen Probleme weg...Ich denke, sobald BE im Kasten ist, geht es mit TC weiter..Und nochmal 3 Jahre warten wir nicht! Versprochen! NG: Ich bedanke mich herzlich für das Interview, wünsche Euch noch viel Spaß und Erfolg auf der Tour und überlasse Euch die letzten Worte… CP: Ich danke dir und sage nur ganz klischeehaft: Sex´n Drugs´ Rock´n Roll. |

