| CHAPEAU CLAQUE: "Die Muse stürzt ganz frech und unerwartet über mich herein..." |
| Webzine - Interviews |
| Geschrieben von: Jochen Gehler |
| Dienstag, 07. Oktober 2008 um 19:52 Uhr |
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CHAPEAU CLAQUE - eine junge deutsche Band (mit deutschen Texten) macht von sich Reden. Nicht unbedingt "szenekonform" machte (auf einer gemeinsamen Tour mit NORTHERN LITE) und macht sie sich daran, auch die Herzen der Schwarzen Hörer auf musikalischem Wege zu erobern. Frontfrau Maria über das Konzept und die Ideen hinter CHAPEAU CLAQUE. NG: Hallo Maria, hallo CHAPEAU CLAQUE. Zunächst herzlichen Glückwunsch zum zweiten Album „Fabelweiss“. Wie fühlt Ihr Euch – jetzt kurz vor dem Release? MARIA: (grinst) Fabelhaft! NG: Vielleicht verrätst Du mir Euer aktuelles Line-Up? MARIA: Klar, gern: Vocals & Songwriting: Maria Antonia Schmidt; Tasten: Peer Kleinschmidt; Gitarre & Akkordeon: Timo Klöckner; Drums: Jörg Wähner; Bass: Tim Schäfer. Teilweise arbeiten wir auch mit diversen Cellisten zusammen. NG: Steht hinter CHAPEAU CLAQUE eine tiefere Bedeutung bzw. hat der Name für Dich einen tieferen Sinn? MARIA: Nun, dass wir uns so und nicht anders nennen hat viele Gründe. Der älteste besteht darin, dass ich mich, denk ich an meine Kindheit zurück, stets mit dem alten Chapeau Claque meines Urgroßvaters durch die Wohnung hüpfen sehe. Es handelt sich also um ein altes Familienrequisit mit dem später auch meine Großeltern geheiratet haben... Und wer weiß, vielleicht auch ich irgendwann einmal (lacht). Ein zweiter Grund ist der Klang des Wortes, den ich sehr mag. Vermeintlich denkt man sofort an Frankreich. Auch wenn die Schreibweise und die Worte selbst französisch sind, wüsste ein gebürtiger Franzose nicht viel mit diesem Wort anzufangen. Vielmehr ist es ein eingewanderter altdeutscher Begriff, der mittlerweile leider auch am aussterben ist. Abgesehen davon werde ich stets und überall für eine Französin gehalten (grinst). Warum - frag mich nicht. Und zu guter Letzt, ist der "Klappzylinder" das erste Requisit der Zauber und die bekanntlich, zaubern viele verrückte Dinge und Geschichten aus diesem Hut. NG: Was sollten wir alles aus der Geschichte von CHAPEAU CLAQUE wissen? MARIA: CHAPEAU CLAQUE ist ein recht junges Projekt. Wir arbeiten in der jetzigen Zusammensetzung sein ca. 1 ½ Jahren zusammen. NG: Bei Eurer Musik passiert es sicherlich häufig, dass Ihr mit Bands wie MIA oder 2-RAUMWOHNUNG verglichen werdet. Stört Euch das? MARIA: Wer unsere Musik flüchtig hört, wird auf Grund der Parallelen "deutsche Texte, Frontfraugesang, elektronische Elemente" vorschnell Vergleiche zu beispielsweise oben genannten Bands ziehen. Bei genauerem Hinhören wird man diese allerdings schnell wieder über Bord werfen. Einerseits ist es hilfreich für all diejenigen unsere Musik einzuordnen, die noch nichts von uns gehört haben, andererseits will man natürlich auch nicht mit anderen Bands in den selben Topf geworfen werden. Das ist vermutlich das bittere Los aller Newcomer, vielleicht aber am Ende doch gar nicht so bitter. Letztendlich sollte man immer darüber singen und schreiben worüber und wie es sich für einen persönlich am besten anfühlt. Würde man sich davon abhalten lassen, dass Vergleiche zu anderen Künstlern gezogen werden, würden wir uns bald schon in einem kulturellen Brachland befinden. NG: Spielen musikalische Vorbilder für Euch eine Rolle? Falls ja, welche? MARIA: Da wir eine sehr buntgemischte Band sind, gibt es sicherlich auch buntgemischte Einflüsse. Diese hier alle aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Drum spreche ich nur kurz für mich. Ich liebe Französische Musik, besonders aus den 20ern, Camille, Feist, Psapp, Hanne Huckelberg, und meine neuste Entdeckung ist eine Wiener Medienkünstlerin namens Gustav. NG: Maria, dem Promotext zu Eurem Album ist zu entnehmen, dass Du schon als Kind Texte geschrieben hast. Worum geht in Deinen Lyrics damals und heute? MARIA: Ebenfalls bunt gemischt. Prinzipiell gilt allerdings, dass ich über nichts schreibe, was ich nicht am eigenen Leibe erlebt, gefühlt oder nachvollzogen habe. Am Ende sind es Geschichten und Emotionen die ein jeder kennt, und die ich in meiner eigenen Sprache und mit meinen eigenen Bildern und Metaphern mit den Menschen teile. NG: Was macht Deiner Meinung nach einen „typischen“ CHAPEAU CLAQUE-Track aus? MARIA: Da gibt es keine Regeln, und vielleicht ist genau DAS das Typische. Man wird sicherlich stets die persönliche Handschrift erkennen. Ich liebe es unerwartete Brüche zu bringen, kreativ in Metaphern zu schreiben, man wird oft ungewöhnliche Songstrukturen entdecken, auch Tempo und Stilwechsel in einem und dem selben Song sind möglich, außerdem gibt es so allerhand Details und liebevolle Kleinigkeiten zu enttarnen. NG: Die besondere Stärke Eurer Lieder liegt darin, dass man nie weiß, was kommt – ob nun Pop, Chanson oder auch mal Tango. Wie entsteht ein Song bei Euch und benötigst Du besondere Stimmungen für´s Songwriting? MARIA: Vielleicht kann ich es am einfachsten erklären, wenn ich sage: „Nicht ich klopfe bei der Muse an, sondern sie stürzt ganz frech und unerwartet über mich herein, ganz wie es ihr beliebt!“ Das kann schlichtweg überall sein. In den Bergen des Himalayas, hinterm Erdbeerstand auf dem Markt, oder einfach Zuhause am Klavier bei Kaffee und Kuchen. NG: Ist „Fabelweiss“ ein Zufallsprodukt oder gab bereits im Vorwege ein Konzept für dieses Album? MARIA: Ich würde sagen, es ging Hand in Hand. Schon nach den ersten Songs war klar, dass es sich um eine Farbe und Energie dreht. Der Wunsch alles in einen Rahmen zu setzen, der alles zusammenhält, war aufjedenfall vorhanden. Als sich dann herauskristallisiert hat, dass das Album von Tieren und Metaphern dominiert ist, war es einfach nahe liegend sich der Fabel zu bedienen, die ja ebenfalls mit diesen Stilelementen arbeiteit. NG: Kannst Du mir etwas über die Bedeutung von „Fabelweiss“ erzählen? MARIA: Wie bereits erwähnt, arbeiten wir besonders viel mit Tiersounds und Metaphern. Die Lieder an sich sind ja keine Fabeln in dem Sinne, aber wir bedienen uns ähnlich kreativer Elemente. Anders wie bei Fabeln versuchen wir allerdings nicht in einer Moralphrase zu gipfeln, sondern einfach ein gesundes energetisch kreatives Lebensgefühl zu vermitteln, dass berührt und am Ende irgendwie glücklich macht. „Fabelweiss“ ist gleichzeitig eine Fantasiefarbe, die vielleicht an das lebendige Federkleid eines Storches erinnern könnte. NG: Hast Du einen besonderen Lieblingssong auf dem Album? MARIA: Ich mag sie alle. Es ist ein bischen so als seien es meine Kinderchen, jedes hat seinen eigenen Charm und Charakter. Und wie im wahren Leben, mag man das eine Mal mehr dann mal wieder weniger. Manche Songs entpuppen sich erst beim mehrfachem Hören als Kleinod. “Weisser Zimt auf goldene Vögel“z.B. ist mir sehr ans Herz gewachsen, und manchmal bin ich überrascht, wie erfrischend ich einige Songs selbst nach 100-maligem Hören finde. NG: Könntest Du Dir vorstellen, auch mal eine Coverversion aufzunehmen? Falls ja, welche Favoriten hättest Du dann? MARIA: Schon. „Dream A Little Dream Of Me“(by Kahn-Schwandt-Andre) wäre ein Urfavorit von mir. Aus einem komischen Grund heraus ist dieser Song bei mir ein Dauer-Ohrwurm schon seit Jahren. NG: Dieses Interview ist für ein Gothic-Webzine, obwohl Eure Musik nicht zwingend „szenekonform“ ist. Habt Ihr schon Feedback aus der Gothic- oder Metalszene erhalten? Falls ja, welcher Art? MARIA: Auf der NORTHERN LITE-Tour, bei der wir als Livesupport gespielt haben, gab es ein Konzert in Bochum im Matrix Club. Das Publikum bestand zu 90% aus Gothics. Erst hatten wir bedenken, von wegen wir seien für ihren Geschmack zu gribbelig und flippig. Am Ende war es eines der besten Konzerte der ganzen Tour für uns. Es hat riesen Spaß gemacht und das Publikum war wider aller Vorurteile extrem offen und angetan. Immer wieder gerne! NG: Welche Reaktionen erwartet Ihr allgemein auf „Fabelweiss“? MARIA: Erwarten hört sich immer so zwanghaft an. Wir würden uns freuen, wenn wir die Menschen damit berühren und vielleicht sogar mit einem erfrischendem Lebensgefühl anstecken können. Man freut sich natürlich auch über gute Kritiken. Aber letztendlich geht es uns eher um etwas anderes. NG: Das Cover ist sehr hübsch geworden. Hast Du es selber entworfen? MARIA: Das Artwork wurde von „Colours and the kids“ gestaltet. Allerdings entstanden die Ideen gemeinsam mit der Grafikerin. Mir ist es auch sehr wichtig bei den gestalterischen Prozessen die Fäden in der Hand zu haben, da hiermit ja auch der Stil und das Image der Band in die Öfentlichkeit getragen wird. NG: Zu „Pandora Kiss Miss Tragedy“ und „Metamor“ gibt es auf YouTube sehr ansehnliche Videos zu bestaunen. Kannst Du mir etwas zu den Dreharbeiten verraten? MARIA: „Metamor“ ist während meines Aufenthaltes in Nepal entstanden. Ich habe alles selbst gefilmt und kenne jedes einzelne Kind persönlich. Der Clip ist sehr dokumentarisch angelegt und die Idde das ganze als Musikvideo zu verwenden, kam auch viel Später erst. Dazu gibt es ja auch eine kleine Aktion um die Waisenkinder zu unterstützen (Infos unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ). Der Pandora Clip entstand auch eher aus einer spontanen Laune heraus. Kristin Herziger, Regisseurin und gute Freundin von mir, hat das Buch geschrieben und den Dreh sowie das Team innerhalb weniger Wochen organisiert. Es war ihr erstes größeres Filmprojekt. Man muss ebenfalls erwähnen, dass alle Statisten, sowie das Team am Set alle freiwillig itgewirkt haben. An dieser Stelle nocheinmal ein großes Dankeschön! NG: Sind die Videos auch im Musik-TV zu sehen? MARIA: Nein, vermutlich sind sie auch zu „unkommerziell“ und untypisch für Musikvideos. Beide Videos funktionieren viel eher als Kunstfilme. Was aber auch überhaupt nicht schlimm ist, sondern viel mehr in unserem Interesse. NG: Gibt es schon Pläne. „Fabelweiss“ live zu präsentieren? Wie könnte so eine Live-Show aussehen? MARIA: Ich werde nicht viel verraten, nur dass es eine bunte kreative Show geben wird. Wir nutzen nicht nur die akustische Ebene voll aus, sondern auch die visuelle. Lasst euch überraschen! NG: Ich danke Dir herzlich für dieses Interview und wünsche Dir und Deiner Band viel Erfolg mit „Fabelweiss“. Die berühmten letzten Worte überlasse ich Dir... MARIA: Der Storch kommt und geht wie die Liebe. Der Flughund längst ausgestorben ist, der Löwe schreit, wenn man ihn zum Kampf herausfordert, und das Her lässt sich zähmen wie ein Leopard. MEHR ZUM THEMA AUF NORTHERN-GOTHICS.DE WEBZINE uncategorizdS CHAPEAU CLAQUE: Die Muse stürzt ganz frech und unerwartet über mich herein... |

