| THE BEAUTY OF GEMINA: "Ich möchte vermeiden, plakativ zu sein!" |
| Webzine - Interviews |
| Geschrieben von: Jochen Gehler |
| Dienstag, 07. Oktober 2008 um 21:37 Uhr |
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Mit "A Stranger To Tears" lieferten THE BEAUTY OF GEMINA jüngst ihr neuestes Werk in den Plattenläden ab. So umfangreich das stilistische Wirken der Band auf dem neuen Longplayer, son interessant sind die Antworten von Bandleader Michael Seliger in unserem Interview. NG: Hallo THE BEAUTY OF GEMINA. Bitte verratet mir zunächst, wer alles bei Euch mitwirkt. MICHAEL: Mac Vinzens an den Drums und Martin Luzio am Bass bilden das musikalische Fundament. Dennis Mungo ist neu dazu gekommen und spielt Gitarre. Ich bin Michael Sele, schreibe alle Texte, komponiere die Songs und habe die Fäden im Studio als Produzent in der Hand. Zusätzlich singe ich, spiele Gitarre und Piano und kümmere mich um die ganzen Programmierungen. NG: Sah das Line-Up schon immer so aus oder hattet ihr auch schon einige Besetzungswechsel? MICHAEL: Dennis Mungo, der uns im letzten Jahr auf der Tour als Live Gitarrist begleitet hat, ist in der Zwischenzeit ein fixes Bandmitglied geworden. Er hat erstmals auch im Studio bei einem Teil der Songs zusätzliche Gitarren eingespielt. NG: Könnt Ihr mir etwas über die musikalische Entwicklung von TBOG erzählen? Ist Eure Musik im ständigen Wandel oder habt Ihr Euer Ziel erreicht, jetzt so zu klingen, wie Ihr Euch das vorgestellt habt? MICHAEL: Mit "A Stranger To Tears" versuchte ich dort anzuknüpfen wo wir mit dem Debütalbum aufgehört haben. Der tolle Erfolg des ersten Albums hat mich natürlich gestärkt in meiner Art des Songwritings und so habe ich wiederum versucht, all die verschiedenen musikalischen Grenzen und Möglichkeiten ohne Kompromisse auszuloten. Alles in allem habe ich die ganze Produktion sicherlich auch noch etwas konsequenter zu Ende geführt. Dann konnten wir bei den vielen Livekonzerten wertvolle Erfahrungen sammeln, welche uns zusätzlich inspiriert und motiviert haben. Im zweiten Album habe ich wiederum versucht, moderne elektronische Elemente, klassischen Wave, rockige Riffs und Grooves mit teilweise sinfonischen Elementen zu verbinden. Zudem habe ich wieder vermehrt zur Gitarre gegriffen. Die Gitarren sind generell mehr in den Vordergrund gerückt worden. NG: Steckt hinter Eurem Bandnamen ein besonderer Sinn bzw. was bedeutet "THE BEAUTY OF GEMINA"? MICHAEL: Der Name ist im Grunde ein reines Fantasieprodukt, wobei Gemina eine reale Figur war. Sie war eine Schülerin und Muse des Philosophen Plotin. Der Bandname lässt Platz für individuelle Interpretationen. Das finde ich reizvoll. Wer ist diese Gemina? Ist es eine Frau, ein Ort, ein Zustand? Liebe oder Hass, Anfang oder Ende? NG: Wart Ihr vor TBOG bereits in anderen Bands aktiv bzw. seid Ihr es immer noch? MICHAEL: Das liegt schon ein paar Jahre zurück. Zusammen mit dem Sänger "the Snake" habe ich Ende der 90er Jahre vor allem in der Schweiz mit Nuuk einige Erfolge feiern können. Ich war dort als Gitarrist und Produzent tätig und wir haben alle Songs zusammen geschrieben. Unsere musikalischen Vorstellungen sind dann aber schon bald so weit auseinandergegangen, dass wir keine gemeinsamen Perspektiven mehr gesehen haben. Er hat sich dann auch aus dem Musikbusiness total zurückgezogen. NG: In welche musikalische Schublade könnte man die Musik von THE BEAUTY OF GEMINA einordnen? MICHAEL: Das scheint gar nicht so einfach zu sein. Persönlich habe ich kein Problem mit Zuordnungen und stilistischen Bezeichnungen, mache mir allerdings diesbezüglich kaum Gedanken. Ich sehe es wohl irgendwo so zwischen Dark Wave und Gothic-Rock, bin aber keine Experte und staune oft was für Bezeichnungen es eigentlich alles gibt. Vor allem wenn man Metal-Fans zuhört, kommt man echt ins Staunen, was es alles gibt. NG: Möchtet Ihr mit Eurer Musik auch eine Art von Lebenseinstellung repräsentieren? Wenn ja, welche? MICHAEL: Ich denke, dass vor allem in den Texten meine Grundhaltungen und Lebenseinstellungen zum Vorschein kommen, dennoch versuche ich auch mit einer gewissen Distanz über all die Dinge zu singen. Ich möchte vermeiden, plakativ zu sein oder mit erhobenem Zeigefinger daher zu kommen. In der ganzen musikalischen und auch visuellen Welt von THE BEAUTY OF GEMINA geht es um Authentizität, Eigenständigkeit und Individualität. NG: Was könnt Ihr mir zu Eurer Diskographie verraten? MICHAEL: Anfangs 2007 kam unser Debütalbum "Diary Of A Lost" heraus und der grosse Erfolg des Albums hat uns in kurzer Zeit sehr viele Türen geöffnet. Es wird auch jetzt noch von vielen Menschen entdeckt, das freut uns natürlich besonders. NG: Bitte erzählt mir etwas zur Zeugung und Geburt Eures Kindes "A Stranger To Tears". MICHAEL: Wir haben mehr als ein Jahr am neuen Album gearbeitet und wie schon beim Debüt "Diary Of A Lost " habe ich alles in meinem eigenen Tonstudio aufgenommen, abgemischt und selber produziert. Zusätzlich wurden diesmal noch vermehrt Gastmusiker in die Produktion miteinbezogen. So habe ich bei zwei Songs ein Streichquartett eingesetzt, bei der Ballade "Into Black" zusätzlich eine Oboistin integriert und den letzten Track mit einem befreundeten Jazzmusiker und wunderbaren Kontrabassisten aufgenommen. Alles in allem ist somit fast ein kleines Orchester zusammen gekommen. NG: Ist "A Stranger To Tears" ein Zufallsprodukt oder gab bereits im Vorwege ein Konzept für dieses Album? MICHAEL: Der Albumtitel stand schon sehr früh fest und hat mich wie ein roter Faden während des ganzen Arbeitsprozesses durch alle Höhen und Tiefen begleitet. Inwiefern dies Einfluss hatte auf die Musik und die gesamte Konzeption ist schwierig zu sagen, doch war der Titel für mich immer wieder wichtige Inspirationsquelle. NG: Könnt Ihr mir etwas über die Bedeutung des Albumtitels "A Stranger To Tears" erzählen? MICHAEL: Ich bin mir bewusst, dass der Albumtitel auch etwas irritierend sein kann, doch liegt gerade darin auch seine poetische Kraft. Ich habe zum Album einen Prolog geschrieben, vielleicht kann er etwas zur Klärung beitragen: Hier die deutsche Übersetzung: "Wir wissen, dass wir nicht ewig leben Wir wissen, dass wir alle denselben Weg gehen Wir kommen aus der Dunkelheit, gehen ins Licht Wir lassen Glanzvolles hinter uns, kehren zurück ins Dunkel Am Beginn steht die Angst, mit der Angst wird es enden Und dann, am Ende des Weges, werden wir ein Fremder der Tränen" NG: Habt Ihr einen besonderen Lieblingssong auf dem Album? MICHAEL: Das wechselt immer mal wieder ab. Wenn ich am Anfang die Songs meinen Musikern vorstelle, gibt es oft persönliche Favoriten, während des Aufnahmeprozesses kann das aber wieder ändern und oft ist am Schluss, wenn wir das fertige Album anhören wiederum eine andere Nummer jeweils die "liebste". Ich denke aber, es ist klar, dass die persönliche Verfassung sehr wichtig ist, denn nicht jeder Song ist zu jeder Zeit gleich gut verträglich. Es freut mich auch, wenn mir Fans sagen, dass sie einen Song eine Weile nicht mehr anhören konnten, weil er ihnen emotional zu tief gegangen ist. Das ist sicher ein tolles Kompliment. Zum Opener "Galilee Song" habe ich insofern eine sehr spezielle Beziehung, da er ein sehr komplexer und intensiver Song ist, der mich sowie textlich wie auch produktionstechnisch ziemlich an die Grenzen gebracht hat. NG: Die musikalische Bandbreite dieser Scheibe geht von Goth-Rock über Wave bis hin zu Industrial-Elementen. Spiegelt das auch die privaten Musikvorlieben von Euch wieder? MICHAEL: Auf jeden Fall. Ich bin froh, dass ich mich von Anfang nicht zu sehr eingeschränkt habe und die von dir erwähnten Elemente vermischte. Das Spektrum der Möglichkeiten ist dadurch einfach auch sehr reizvoll und sehr inspirativ. Natürlich höre ich privat auch sehr vielfältige Musikstile. Früher habe ich möglichst viel Musik gehört, mit den Jahren wird man wählerischer und geniesst es einfach auch, einmal gar keinen Sound um die Ohren zu haben. Vor allem wenn ich nach ein paar Stunden Arbeit aus dem Studio komme, brauche ich Ruhe und höre mir ganz selten etwas an. NG: Habt Ihr musikalische Vorbilder, von denen Ihr Euch bewußt oder unbewußt beeinflussen lasst? MICHAEL: Natürlich gibt es Künstler oder Musiker, deren Schaffen ich etwas genauer verfolge als von anderen, da mir ihre Musik einfach viel bedeutet. Das müssen aber nicht unbedingt Szene Grössen sein und ich denke, dass es doch auch toll ist, wenn man dadurch auch beeinflusst wird. Ich habe da keine Berührungsängste. Ich bin aber noch nie hingegangen und habe versucht, einen Song oder einen Harmonieverlauf zu kopieren. NG: Michael, wie bekommt man eine so tiefe und dennoch facettenreiche Stimme wie die Deinige? MICHAEL: Dieses dunkle Timbre habe ich einerseits wohl einfach mitbekommen, dafür musste ich gar nicht so viel machen. Den Tonumfang kann man trainieren. Als Jugendlicher musste ich während der Ausbildung in einem grossen Chor singen, da wurde ich allerdings zu den Tenören eingeteilt. Ich habe dann immer mit der Kopfstimme gesungen und so konnte ich mich herrlich durch all die Kantaten mogeln. NG: "A Stranger To Tears" strotzt nur so vor Ideen und überraschender Wendungen und ist dennoch mit 75 Minuten voll ausgereizt. Habt Ihr sämtliches Material aufgenommen oder habt Ihr auch etwas verworfen bzw. zurückgehalten? MICHAEL: Ich hatte insgesamt über 30 Stücke zusammen und gemeinsam haben wir am Schluss die 16 Songs des Albums ausgewählt. Bei einigen Songs hatten wir echt die Qual der Wahl, und es war nicht einfach, gewisse Ideen und Songs wieder in den Archiven zu verstauen. NG: Habt Ihr bereits erste Reaktionen auf das neue Album erhalten? Wie sind diese ausgefallen? MICHAEL: In der Schweiz ist das Album sehr gut angekommen und wir sind seit über 4 Wochen in den Top Ten des grössten Online Stores. Die ersten Reaktionen in Deutschland sind auch erfreulich. Dass wir es auf Anhieb in die DAC Charts geschafft haben, lässt mich natürlich hoffen, dass wir gerade in Deutschland noch ein paar Türchen öffnen können. Das wäre für uns sehr wichtig. In England hatte ja unser erstes Album sehr gute Kritiken bekommen, ich bin natürlich jetzt gespannt wie "A Stranger To Tears" dort aufgenommen wird. NG: Seht Ihr Euch als Studioband oder eher als Live-Band? MICHAEL: Da wir sowieso keine Band im üblichen Sinne sind, welche jede Woche ein paar Mal im Probenraum sitzt und miteinander probt, ist es schwierig diese Frage zu beantworten. Beide Aspekte gehören dazu. Im Studio arbeite ich meistens alleine, live sind wir ein ganzes Team und da kommen schon mal knapp 20 Personen zusammen. NG: Gibt es schon Pläne, "A Stranger To Tears" live zu präsentieren? Wie könnte so eine Live-Show aussehen? MICHAEL: Wir hatten am 27. September im X-Tra in Zürich die Feuertaufe mit der neuen Show. Es war ein grosser Event und wir haben sehr lange dafür gearbeitet. Mit vielen Gastmusikern, einer ausgeklügelten Show, aufwendigen Projektionen und Live Visuals haben wir die Grenzen ausgelotet. Wir sind sehr glücklich, dass alles sehr gut geklappt hat und so viele Leute ans Konzert kamen. Wir werden Ende Oktober für 2 Konzerte nach England reisen, um dort am legendären Whitby Festival aufzutreten. Das ist eine grosse Ehre für uns und wir freuen uns sehr darauf. Im Frühling 2009 wird es eine erste Tour geben, bei der wir hoffentlich auch in Deutschland Halt machen werden. NG: Ich danke Euch herzlich für dieses Interview und wünsche Euch viel Erfolg mit "A Stranger To Tears". Die berühmten letzten Worte überlasse ich Euch... MICHAEL: Wir freuen uns über Kommentare auf unserer MySpace-Seite oder Besuche auf der Homepage und hoffen, dass wir mit "A Stranger To Tears" auch in Deutschland endlich etwas länger auf Tour gehen können. Vielen Dank für die spannenden Fragen und die Unterstützung! MEHR ZUM THEMA AUF NORTHERN-GOTHICS.DE WEBZINE uncategorizdS THE BEAUTY OF GEMINA: Ich möchte vermeiden plakativ zu sein! |

