SEELENZORN: Gnadenloser Zorn
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Stefan Surkamp   
Sonntag, 29. April 2007 um 22:25 Uhr

gnadenloserzornWir befinden uns im Jahre 2007 und damit ziemlich genau zwei Jahre nach der Veröffentlichung des SEELENZORN-Debüts "Tœte Alles". In diesem Zeitraum haben die Darmstädter die Szene auf beeindruckende Art und Weise aufgemischt. Eine lange Tour mit ASP, ein grandioser Auftritt auf dem Wave Gotik Treffen 2006 sowie die Veröffentlichung einer Web-e.P. auf ihrer Homepage markieren dabei die bedeutendsten Stationen. Mittlerweile liegt das zweite Album "Gnadenloser Zorn" vor und es hat sich etwas getan. Wie Fans der Formation dieses aufnehmen werden bleibt eine spannende Frage.


Die Beurteilung des Debüts fiel damals ungleich leichter, als es dieses Mal der Fall ist. SEELENZORN trafen mit ihrer Schlichtheit der Texte, die sich endlich einmal nicht in interpretationslastigen Phrasen verloren wie man es sonst bei vielen Bands beobachten kann, genau ins Mark. Perfekt abgestimmte Melodien trafen auf harte Gitarrenriffs und erzeugten mit jedem Stück eine ganz eigene Stimmung.

Dem neuen Longplayer "Gnadenloser Zorn" muss man sich dann auf andere Weise nähern, will man nicht unter die musikalischen Räder kommen. So konnte ich mich beim ersten Hören eines tiefen Stirnrunzelns nicht erwehren. Wesentlich härtere Sounds als erwartet dröhnten mir aus den Boxen entgegen. Nein, so richtig "warm" wurde ich mit der CD auf Anhieb nicht. Ein Grund dafür, weshalb diese Rezension einige Zeit auf sich warten ließ. Eine sich auf zufälligem Wege ergebene Rückfrage bei Sänger Lothar brachte dann einige Background-Infos, die den neuen Songs ein ganz anderes Bild verleihen - zumindest aus meiner Sicht. Zwei Jahre sind eine lange Zeit und was, wenn nicht die eigene Geschichte, geben einem Künstler auf dem musikalischen Sektor die Inspiration für seine Arbeit. So hat es sich dann auch beim künstlerischen "Kopf" der Combo, Jens Clemens, verhalten. Einen genauen Hintergrund kann man sicherlich erfragen - doch die Antworten liegen bereits vor - in den Texten.

"Du bist mein Gedicht, Du bist mein Licht, Du bist mein Ein und Alles für mich" heißt es dann in "Wann Kommt Die Zeit", bei dem es sich um eines der ruhigsten Stücke auf dem Album handelt und für das die Jungs sich weibliche Verstärkung geholt haben: Gabriela Wirbel ergänzt hier die männlichen Vocals auf perfekteste Weise und man wünscht sich beinahe, dass die Seelenzornigen ihren Einsatz nicht vergessen und bei späteren Veröffentlichungen wieder auf sie zurückgreifen.

Highlight des Albums ist der charismatische Track "Eisherz" der auch schon auf der genannten Web-e.P. enthalten war und durchaus clubtauglich ist. In jedem Falle ein passender Kontrapunkt zu dem in Massen aus den Lautsprechern dröhnenden Electro, der die Szene überschwemmt. Hier und da gleiten SEELENZORN zwar ein wenig in Richtung RAMMSTEIN ab, aber durch das Fehlen sämtlicher Affektiertheit bleibt dies nur ein kurzer Gedankenblitz. Als Bonus für die treuen Fans: Gleich zwei neue Versionen des Hits "Was Du Träumst" - eine davon die von den Konzerten bekannte Akustik-Variante.

Mein Fazit: Deutlich härtere Gangart, nach wie vor Texte, die schlicht gehalten sind aber gerade deshalb durch Mark und Bein gehen sowie ein neuer Bassist, der die Truppe um Lothar und Jens zukünftig verstärken wird. Clubtaugliches Material sucht man nicht vergebens, aber viele der neuen Tracks gehören in die heimischen vier Wände, das Auto oder den MP3-Player. It's not a bug - it's a feature!

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