THE MISSION: God Is A Bullet
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Stefan Surkamp   
Freitag, 08. Juni 2007 um 02:00 Uhr

godisabulletEs war das Jahr 1998, in dem die Gruppe FAITHLESS befand: God Is A DJ. Nun, in neun Jahren tut sich so einiges - mittlerweile haben wir einen deutschen Papst (dessen Meinung zu oben genannter Behauptung nicht überliefert ist) und auch auf dem musikalischen Sektor steht die Zeit nicht still - Grund genug für eine Neubetrachtung der theologisch-musikalischen Aspekte. THE MISSION nehmen sich dieser an und haben nach reiflicher Komposition beschlossen: God Is A Bullet. Willkommen bei sphärisch-seichtem Rock anno 2007.

Ein bisschen hatte es nach der Veröffentlichung des neuen Albums gerumpelt. Es gab Seitens des Vertriebes Probleme mit dem exklusiven Download-Track, der nach dem Erwerb des neuen Albums zur Verfügung gestellt werden sollte. Nachdem sich Wayne Hussey höchstselbst eingeschaltet hatte, kam es dann aber schnell zu einer Einigung - nachdem man das ursprünglich anvisierte Online-Portal gewechselt hatte. Vertriebspolitik... Welchen Stellenwert die Veröffentlichung hat, konnte man auch daran ersehen, dass es wieder einmal einige Leute gab, die sich auf Kosten der Fans bereichern wollten. Schon kurz nach der Auslieferung der ersten Promo-Versionen kursierten diese bei eBay - zu teilweise horrenden Preisen. Blöd nur, dass diese CD's so genannte Voice-Over-Versionen waren, bei denen in jedem Track eine Stimme "dazwischen redet" und den Track-Titel nennt. Hardcore-Fans werden wohl auch vor diesen CD's nicht Halt gemacht haben, allein: Ein schöner Hörgenuss wird das wohl nicht gewesen sein.

Dabei steht dieser durchaus zur Verfügung, wenn man denn einige Zeit auf das offizielle Release warten konnte. Mit "God Is A Bullet" legen die ehemaligen Sprösslinge der SISTERS OF MERCY ein sehr homogenes Stück Rocknusik vor. Innovation sucht man hier insgesamt vergeblich, was aber in diesem Falle ohnehin eher zum "It's not a bug - it's a feature" gereicht. Experimente wie die Kollegen von DEPECHE MODE aus der Electro/Pop-Sparte ersparen THE MISSION sich selbst und den Fans. Großer Vorteil: Man weiß, worauf man sich einlässt und läuft nicht Gefahr verstört aus der Wäsche zu gucken, wenn man mit der Neuerrungenschaft erstmals den heimischen CD-Player füttert. Und bei aller Liebe zur Musik: So ist es in den letzten Jahren sehr vielen Hörern bei ihrer Lieblingsband gegangen...

Da das Rad nun nicht neu erfunden wurde, sehen wir uns mal an, wie THE MISSION ihre aktuelle Variante konstruiert haben. Balladenlike wird das Album mit "Still Deep Waters" sanft eingeleitet, für welches sich Wayne Hussey Unterstützung von ALL ABOUT EVE-Frontfrau Julianne Regan geholt hat. Beide gehen in diesem Stück eine stimmliche Symbiose ein, die fast schon genial genannt werden darf. Eine textlich nicht gestelzt wirkende Überleitung zum nächsten Song "Keep It In The Family" fällt mir leider nicht ein, weshalb der Leser sich an dieser Stelle einfach mal selbst kreativ betätigen darf. Selbiges haben THE MISSION bereits hinter sich und dies ist ihnen bei diesem Gute-Laune-Song auch wunderbar gelungen. Der perfekte Sommersong für's Cabrio oder weit in der Tür versenkte Scheiben. Macht Spaß und lädt zum Mitsingen ein. Aber bitte nicht an der nächsten Ampel - es sei denn, der geneigte Leser/Sänger ist sich seines Talentes (und nicht seiner Selbstüberschätzung) gewiss. Man darf dann auch gleich in dieser Stimmung verweilen, denn die beiden folgenden Tracks "Belladonna" und "To Love & To Kill With The Very Same Hand" befinden sich in Sachen Stimmung auf dem gleichen Level. Gestutzt werden darf aber bei letzt genanntem Track, bei dem man auf einmal das Gefühl hat, in einem BON JOVI-Song gefangen zu sein. Jedenfalls klingt Hussey's Stimme in diesem Falle ganz gewaltig nach dem Mainstream-Rocker aus New Jersey. Fern jeder weiteren Bezugnahme nimmt dies dem Track allerdings keineswegs seine eingängige Wirkung.

Mein Fazit: Die verschiedenen Bilder und Assoziationen, die dieses Album weckt zu beschreiben wäre eine Sysiphusaufgabe und eben dieser werde ich mich an dieser Stelle nicht hingeben. Dann schon eher weiterhin diesem wunderschönen Rockalbum, welches sich in meiner Playlist unversehens einen Stammplatz erobert hat. Und - meine Prophezeiung - so wird es auch jedem anderen gehen, der sich der Rockmusik nicht versperrt. Und eben das ist in Zeiten der elektronischen Musik nicht mehr so ganz selbstverständlich. Immerhin: Der Altrocker aus den 80'ern wird an THE MISSION 2007 sicherlich ganeuso seine Freude haben, wie der neu hinzugekommene Fan des dritten Jahrtausends.

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