| SEELENZORN: Töte Alles |
| Webzine - Rezensionen |
| Geschrieben von: Stefan Surkamp |
| Freitag, 18. November 2005 um 17:00 Uhr |
|
Aber: Darf man das überhaupt in dieser Szene? Darf man sich über jahrelang selbständig gewachsene Schranken hinwegsetzen und etwas neues versuchen? Dank Tœte Alles kann man diese Frage leicht beantworten: Ja, man darf! Und es funktioniert! Seelenzorn schlagen mit diesem Album brutal zu – dahin, wo es weh tut. Schon der Opener „Was Du Träumst“ entfaltet, trotz leichter Gitarrenlast, beste Clubqualitäten. Bisher nur bei wirklich weltoffenen DJs in der Playlist zu finden, wird sich dieser Song nun sicher schnell seinen verdienten Weg in die Szene-Hallen der Republik bahnen. Doch gerade die Symbiose aus elektronischer Basis und perfekt arrangierten Gitarrenriffs ist der Motor des innovativen Sounds, den Seelenzorn dem Hörer bieten. Tœte Alles ist kein Album, das man nebenbei hören kann. Man muss sich darauf einlassen können. Einlassen? Nein, besser noch: Man will tanzen! Und das sofort! Doch auch entspannende Songs sind auf diesem Longplayer vertreten. „Dreh Dich Um“ und „Nicht Für Immer Dein“ eignen sich auch für die leisen und melancholischen Momente. Gerade letzteres Stück fällt aus dem Rahmen. Eine außerhalb des Refrains etwas zurückgenommene Gitarre und in den Vordergrund gestellte Vocals machen „Nicht Für Immer Dein“ zu einem besonderen Klangerlebnis. Ob dieser Song bewusst an das Ende der CD gesetzt wurde sei dahingestellt – in jedem Falle kommt er an dieser Stelle am besten zur Geltung. Es rüttelt auf, man fragt sich unwillkürlich, wer da am CD-Player herumgespielt hat. Seelenzorn? Nein, nein... Oder etwa doch? War es doch dieser Song, der die Zuschauer beim Konzert in Kiel zu den Feuerzeugen greifen ließ. Kontrastprogramm zum vorangegangenen Geschehen auf der Bühne. Kontrastprogramm dann auch aus der heimischen Anlage. Sanftere Töne stehen der Formation ebenso gut zu Gesicht, wie der ansonsten bisweilen brachiale Sound der anderen Tracks. Trotz aller Ruhe am Ende: Der Name ist Programm. Texte von Angst und Zorn direkt aus der Seele - Seelenzorn eben. Man nimmt hier kein Blatt vor den Mund und hebt sich dennoch von den späteren Rammstein-Werken ab, deren Verzicht auf weniger durchdachte Texte einfach nur platt daherkam. Die Darmstädter haben viel zu sagen, weil es auf diese Weise noch niemand vorher tat. Erfreulich, dass sich hier einmal Künstler von allen Konventionen der Szene befreit haben und eigene Wege beschreiten. Das enthaltene Video zum Song „Tœte Alles“ entbehrt der musikalischen Stimmung nicht. Im Gegenteil. Eine scheinbar aus dem Film „SAW“ adaptierte Location bildet den Hintergrund für das Geschehen, welches sich nicht ausschliesslich am Text orientiert. Die Bilder... Nun, wenn man es im positiven Sinne sagen kann: Sie sind krank, bisweilen schizophren. Dennoch eine Augenweide, denn an dieser Stelle kann man am ehesten die Bühnenstimmung von Seelenzorn nachempfinden – nicht zuletzt wegen der hier wunderschön in Szene gesetzten Tänzerinnen. Mein Fazit: Seelenzorn bewegen sich auf eigenen Wegen; das ist es, was den Reiz dieser Formation ausmacht. Eigenständigkeit innerhalb eines musikalischen Genres erreichen nur wenige Bands – Seelenzorn schaffen dies spielend. Und dies ohne Anbiederung an den Hörer. Als Debüt kann dieses Album sich mehr als sehen lassen. Ich bin gespannt, wie sich die nächste Veröffentlichung in Sachen Entwicklung darstellen wird. Was das Video angeht: Manson? Wer ist eigentlich Manson? |

Wer mit geringen Erwartungen an die Vorgruppe von ASP – Seelenzorn – zum Konzert in Kiel gefahren war, der erlebte eine Überraschung. Mit Seelenzorn hatte man sich eine Band ins Vorprogramm geholt, die qualitativ weit über den bloßen Support hinaus ging. Innovativer Sound zwischen der Neuen Deutschen Härte und Electro, exzentrische aber auf die Musik abgestimmte Vocals sowie eine ergänzende Show der Tänzerinnen Nina und Saskia überfiel die Besucher und – blieb haften. Die Band hatte das aktuelle Album „Tœte Alles“ im Gepäck – zumindest auf der Bühne. Ob der Klasse der dargebotenen Performance waren beim Termin in Kiel, der erst der vierte auf der Tour war, bereits alle Exemplare vergriffen. Aber natürlich ist das Erstlingswerk von Seelenzorn auch im Handel erhältlich.