NOCTIFERIA: Slovenska Morbida
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Katharina Nieden   
Sonntag, 06. Juli 2008 um 01:00 Uhr
slovenskamorbidaDas einzige, was mir an NOCTIFERIA auf Anhieb bekannt vorkam, war der Name Peter Tägtgren. Ein kurzer Blick auf Wikipedia gab mir Recht: Sänger bei HYPOCRISY, BLOODBATH und PAIN, außerdem Produzent von namhaften Bands wie DIMMU BORGIR, MARDUK, CHILDREN OF BODOM und CRADLE OF FILTH. Meine Neugier war geweckt, schließlich ließ ich mich gerade in punkto Metal-Rezension entjungfern. „Slovenska Morbida“ ist das zweite Album der Slowenen, mal abgesehen von einer Live-CD und einigen Demotapes. Das Metal-Lexikon erzählt mir etwas von Melodic Black/Death-Metal und Industrial-Metal, was durch das erste Hören meinerseits durchaus bestätigt wird.
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Der Openener mit dem Namen „Fabrica“ hält, was er verspricht, erinnert etwas an Fabriksound und ist völlig instrumental gehalten – was man vom darauf folgenden „Der Fall der Fallenden“ nicht behaupten kann: Sänger Gianni Poposki growlt sich auf deutsch durch den ziemlich eingängigen und mitreißenden Vierminuter. Dabei ist es ziemlich egal, ob man die Texte noch versteht – überaus vorausschauend findet sich im Booklet eine Doppelseite mit Songtexten.

Weiter geht es mit „Bring out the beast“, nicht weniger eingängig und härter als der Vorgänger. NOCTIFERIA verstehen sich wunderbar darauf, den Hörer durch treibende Riffs und einer gekonnten Mischung aus Härte und Melodie - die sogar mir als elektronische Klänge bevorzugende Redakteurin nicht zu viel wird geschweige denn mir so auf den Geist geht – mitzureißen und für sich einzunehmen.

So auch mit „Turn away“, was in meinen Augen noch eine Spur besser ist als sein Vorgänger. Dafür lassen NOCTIFERIA mit „So deviod“ und „Anyone“ etwas nach, wobei vor allem letzteres im Refrain erstaunlich ruhig ist. Schlecht ist es nicht, jedoch bleibt es hinter dem kraftvollen Auftakt etwas zurück. Außerdem kann der Hörer langsam nicht mehr umhin zu bemerken, dass NOCTIFERIA starke Analogien zu den Schweizern SAMAEL aufweisen, sowohl vom Musikalischen als auch vom Stimmlichen her.

Auch „Forebang“ vermag nicht recht zu überzeugen – „Out of play“ hingegen bekommt auf Anhieb meine volle Aufmerksamkeit und Sympathie, vor allem dank des „Melodic“ vor dem „Death“. Das macht die Lieder selbst für die Leute hörbar, die sich nicht unbedingt jede freie Minute ihres Lebens mit Metal beschäftigen.

Mit „Slovenska Morbida“ wird der Hörer auf den baldigen Schluss des Albums vorbereitet: Ruhig und instrumental zieht es sich zweieinhalb Minuten hin und bietet eine willkommene Möglichkeit, nach den Gitarren und dem Gegrowle auch mal abzuschalten. Die Pause währt nicht allzu lange, mit „Evil against evil“ drehen NOCTIFERIA zum Schluss noch einmal auf. Ein besonderer Hinhörer ist dabei die weibliche Stimme in der Bridge, die sich in jedem Fall gut macht und für etwas Abwechslung sorgt. Mit „Mara“ bin ich schließlich am regulären Ende des Albums angelangt. Leider fällt mit diesem Rausschmeißer das Abschalten auch nicht allzu schwer: „Mara“ ist relativ ruhig gehalten, Gianni Poposki verzichtet größtenteils auf Gegrowle und beschränkt sich darauf, den Text zu erzählen. Auch die Zwischenparts lassen zu wünschen übrig, die eben noch gelobte Frauenstimme wirkt hier nicht gerade passend beziehungsweise lässt das Lied schnell langatmig werden.

Wie auf jedem anständigen Album haben auch NOCTIFERIA auf „Slovenska Morbida“ einige Bonustracks veröffentlicht, insgesamt drei an der Zahl. Wer auf noch mehr neues Material der Slowenen hofft, wird jedoch enttäuscht: „Fall of exile“ und „Bring raus das Biest“ sind lediglich ins Englische beziehungweise Deutsche übersetzte Versionen von „Der Fall der Fallenden“ und „Bring out the beast“. Auch „Mara“ wurde übersetzt, klingt in der deutschen Variante jedoch wesentlich besser als in der englischen.

Mein Fazit:
Ein durchaus gutes, hörbares Metal-Album, das neben den obligatorischen Schwächen überraschend viele gute Seiten zeigt und damit durchaus überzeugen kann. Von mir wird es mit Sicherheit mehr als nur einmal gehört werden.
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