WUMPSCUT: Fuckit
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Stefan Surkamp   
Freitag, 13. März 2009 um 15:19 Uhr

fuckitWie die Dinge manchmal so geschehen... Gerade erst haben WUMPSCUT-Mastermind Rudy Ratzinger und die vereinte Fanschaar die Hetzjagd nach dem Amoklauf von Kauhajoki/Finnland einigermaßen verdaut, da droht neues Ungemach durch den durchgedrehten 17-jährigen im Baden-Württembergischen Winnenden. Zwar ist man bisher eher Fakes als Fakten aufgesessen, was die Internetaktivitäten des dortigen Mordschützen angeht, aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch hier - dank einem entsprechenden MySpace-Profil - wieder heißt: Schwarze Kleidung, Gothic, WUMPSCUT-Hörer = Killermaschine! Sollte es dazu kommen steht eines fest: Die PR-Maschinerie für das kommende WUMPSCUT-Album würde wie von selbst laufen - so makaber es wäre.


Den geneigten Fan und Hörer wird das so oder so nicht anfechten, was zählt ist das, was aus den Boxen dröhnt. Was das in diesem neuen Falle Namens "Fuckit" ist? Gar nicht mal schlecht, muss ich zugeben.

Natürlich kann sich Rudy R. seinen Seitenhieb auf die Medienhetze - wie schon bei "Ruda" - nicht verkneifen und verwurstet im Intro "Schlechter Mensch" mal wieder O-Töne aus Fernsehberichten, die WUMPSCUT mit dem Finnischen Amokläufer in Verbindung bringen. Allerdings geschieht dies in meinen Augen Anno 2009 etwas softer und vor allem kürzer als bei den Rudas. Man könnte also meinen, man habe es hier erneut mit einem weichgespülten Output des Electropapstes zu tun.

Weit gefehlt! Es scheint so, als hätte Rudy das 2008er-Fazit zu "Schädling" erhört (und wenn nicht er selbst, dann irgendjemand anderes, der auf dieser Welt ein Flehen bearbeitet) und sich am Riemen gerissen. Bei "The Boo" werden alle Register gezogen und ein neuer Tanzflächenfüller erblickt das Licht der Welt. Okay, beim folgenden Titeltrack "Fuckit" rutscht der Meister kurz in schlechte alte Verhaltensmuster ab, aber das ist schon direkt danach wieder Nebensache und vergessen.

WUMPSCUT 2009 wirkt nachdenklich, dafür aber längst nicht mehr so dürftig im Arrangement der Tracks, wie in den vergangenen, für viele Altfans sehr harten, Jahren. "Cut To Se How Much I Bleed", "Achtung, Menschen" und "Autophagy Day" - allesamt eingängige und gut hörbare Songs, die mal wieder hängenbleiben, statt sie am liebsten sofort wieder zu vergessen.

Es gibt also mal wieder ein echtes Brett auf die Ohren, wenn man WUMPSCUT in den Player schiebt. An die ganz alten Zeiten wird zwar immer noch nicht angeknüpft, Rudy R. gibt sich jedoch alle Mühe, seine Fans endlich dort abzuholen, wo er sie bei "Wreath Of Barbs" hat stehen lassen.

 
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