ROME: To Die Among Strangers
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Jochen Gehler   
Sonntag, 21. Juni 2009 um 08:21 Uhr

todieamongstrangers "Sterben unter Fremden" - von  der Einsamkeit des erzwungenen Exils berichtet die aktuelle EP des wundervollen Projektes ROME. Vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkrieges stimmt dieser Output ein äußerst beeindruckendes Klagelied an über politische und religiöse Systeme, die das Individuum ausbeuten und in seiner Entfaltung einengen.

Der Luxemburger Jerome Reuters und sein Partner Patrick Damianis schaffen es bei dieser (auf 999 Exemplare limitierten) EP einmal mehr, eine Flutwelle starker Emotionen im Spannungsfeld aus Wut, Hoffnungslosigkeit und vergeblichem Aufbegehren zu schaffen. Als Vorbote auf das im Juni erscheinende Full-Time-Album "Flowers From Exile" gibt "To Die Among Strangers" schon einmal die Marschrichtung vor: Bärenstarke und kraftvolle Neofolk-Hymnen und düster-schöne Ambientklänge vereinen Jerome und Patrick zu wahrlich großen Hymnen. Neben melodischen Folkklängen mit Military-Anleihen steht die tiefe und traurige Stimme Jeromes im Mittelpunkt des Geschehens. Sehr lakonisch und mit einer seltsamen Distanz versehen singt Jerome die Tracks, die insgesamt etwas "poppiger" und eingängiger als noch auf den mehr ambient-lastigen Werken "Nera" und "Masse Mensch Material" produziert wurden. Aber die Qualität und Tiefe der Songs leidet nicht darunter. Auch Freunde apokalyptischer Ambientklänge kommen jedoch mit "Mourir A Madrid" auf ihre Kosten: Bedrohliche Drones, gemixt mit dem Parademarsch der Legion Condor, der sich in einem endzeitlich-resigniertem Wirrwarr auflöst. Deutlicher kann ein Statement gegen Krieg und menschenverachtende Ideologien nicht ausfallen.

"To Die Among Strangers" lässt Großes erahnen. Auch wenn mit "Wir Götter der Stadt" und "Reversion" zwei ältere Tracks in Form von Remixen aufgebacken wurden macht diese EP einen Bärenhunger auf das kommende Album. Das Anfüttern ist also gelungen und ROME werden sich damit endgültig an die Spitze des vor sich hin darbenden Neofolk setzen können.

 
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