ROMAN RAIN: Roman Rain
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Jochen Gehler   
Montag, 03. August 2009 um 16:30 Uhr

roman-rain-roman-rain Tristesse macht sich in der schwarzen (Musik-)Szene breit. Überall Stagnation, lauwarme Aufgüsse von bereits Dagewesenen. Irgendwie hat man das, Gefühl, alles schon einmal gehört zu haben. So liegt es nahe, dass sich das umtriebige Label Danse Macabre auch in anderen Märkten und Regionen umschaut. So zum Beispiel in Russland. Regelmäßig bringt das Riesenreich für seine expandierende Szene neue Acts hervor. So schaffte dank Danse Macabre schon vor einige Zeit der zumindest interessante OTTO DIX den Sprung über den Ural. Nun schickt sich ein weiterer Act an, den internationalen Martkt zu erobern. Die Rede ist von ROMAN RAIN. Der Gothic-Künstler bewegt sich bereits mit großem Erfolg auf den Underground-Bühnenbretter seiner großen Heimat. Und glaubt man den Impressionen der diversen YouTube-Videos, die so kursieren, dann werden bei seinen umjubelten Aufritten Auegn und Schlüpfer feucht.

Entsprechend gespannt war ich natürlich, als ich die CD-R mit Promo-Charakter in den Player schob. Nun ja, nach zweimaligen Durchhören muss man konstatieren, dass sich die westeuropäischen und russischen Geschmäcker wohl doch deutlich unterscheiden. Die CD liefert ein Sammelsorium schwülstiger Popsongs, die allenfalls sehr wenig Bezug zur Schwarzen Szene haben. Synthie-poppig mit deutlicher Schlagseite zur 80-Jahre-Italo-Discowelle - so präsentiert sich die Mehrzahl der Songs. Der Gesang erinnert mich stark an den der Disco-Transe FANCY. Da hilft es auch nicht, wenn in einigen Tracks eine stimmgewaltige Dame aushilft. Die Songs hören sich an wie für den Eurovision Song Contest geschrieben: Sehr gefällig und melodiös mit einem Hauch russischer Melancholie. Diese kommt insbesondere bei den wenigen auf russisch gesungenen Tracks daher. ROMAN RAIN unterliegt des Öfteren der Versuchung, hüfttief im Pathos zu versinken.

Singen kann der Kerl, keine Zweifel. Seine warme Stimme erhebt sich in einigen Passagen in mittelgebirgsähnliche Höhen. Talent hat er. Und dass er bei den Szenegängern seines Heimatlandes ankommt glaube ich auf´s Wort. Mir persönlich ist die Geschichte zu poppig, zu schwülstig und verkitscht. Das hat für mich nur ganz am Rande etwas mit der hiesigen Szene zu tun. Wer diesen Aspekt ausblendet und lediglich ein ungewöhnliches Popalbum mit Disco-Appeal hören möchte, sollte es mal mit ROMAN RAIN versuchen. Für alle anderen gilt, unbedingt vor der Anschaffung lieber erstmal Probe zu hören.

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