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PATENBRIGADE: WOLFF: Baustoff (Popmusik Für Rohrleger)
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Stefan Surkamp   
Dienstag, 15. Dezember 2009 um 18:24 Uhr

baustoffSo richtig wusste ich mit der PATENBRIGADE: WOLFF nichts anzufangen. Die beiden ersten Alben ("Hochstapler" und "Demokratischer Sektor" - Retrospektive), die wir in der Redaktion erhielten habe ich seinerzeit an einen anderen Redakteur abgegeben. Schlicht und einfach deshalb, wie ich heute reumütig gestehe Jochen, weil ich die ganze Nummer schon allein ob der - aus meiner Sicht - albernen Konzeption nicht so recht mögen konnte. "Untrue" kam mir da zwar nicht in den Sinn, aber die Technoisierung der Szene geht sogar mir als Electro-Hörer langsam aber sicher zu weit. Und die Jungs der PATENBRIGADE in ihren Sicherheits-Warnfarben-Outfits lösten bei mir erstmal kategorisch Abneigung aus.

Nun, über 1 1/2 Jahre und zwei Alben später ist es dann doch an mir, das neueste Werk der Szene-Bauarbeiter kritisch zu beäugen. Vor allem deshalb, weil ich etwas gut zu machen habe. Nicht bei der PATENBRIGADE: WOLFF - diese Rezension ist selbstverständlich genauso objektiv-subjektiv, wie sonst auch! Nein, hier hatte eine junge Agentur mehr Geduld, als unsere Redaktion sie eigentlich verdient hat.

Angenehm überrascht war ich eigentlich sofort, als mir die Herren Murdock und Wolff die ersten Klänge um die Ohren schweben ließen ("Aufbau"). Ich weiß nicht genau, ob ich simplen Krach erwartet hatte (also in etwa das, was man auf Baustellen eben so zu hören bekommt) oder irgend etwas eher undefinierbares. Auf jeden Fall nicht so klare Sounds und eine freche, aber dennoch wohlklingende Stimme. Man könnte sagen, dass mich die Jungs sofort am Kranhaken hatten. Der echte Opener "Das Kraftfeld" gehört zwar in die seichte Sparte, dennoch ist er ein Song, den man immer wieder hören kann - nicht innovativ, aber eingängig und ganz schlicht: Wohlklingend.

Zwar sind die über das gesamte Album eingestreuten Samples vor allem genre-typisch, allerdings derart Themen bezogen, dass es oftmals schon witzig ist. Einziges Manko an die im Stile eines Radiointerviews eingestreuten Informationen zu den "echten Gefahrenquellen" auf Großbaustellen: Man mag bei diesen Textpassagen vermutlich nicht mehr so gern tanzen. Aber diese klaren Brüche im musikalischen Spannungsbogen lassen sich notfalls auch dergestalt ins Gesamtkonzept einbinden, dass man sich auf "Baustoff" ebenso wenig auf einen klaren Ablauf verlassen darf, wie ein Bauarbeiter auf einen geregelten Tagesablauf.

Kurzum: "Baustoff" ist (für mich) zu allererst chillige Lounge-Musik, bei der es sich trefflich entspannen lässt. Zieht man in der eigenen Playlist die Songs mit allzu störend eingestreuten Samples raus, hat man ein beeindruckend gut abgemischtes Electro-Album aus der softeren Ecke im Player - Futter für die Tanzwütigen inklusive. Ob's hingegen wirklich "Popmusik für Rohrleger" ist, vermag ich nicht zu sagen - ich sitze am Schreibtisch.


 

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