| BACIO DI TOSCA: Hälfte Des Lebens |
| Webzine - Rezensionen |
| Geschrieben von: Stefan Surkamp |
| Sonntag, 31. Januar 2010 um 19:46 Uhr |
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Die Locations gibt es nicht mehr - sie sind den so genannten Clubs gewichen, wurden durch durchgestylte Electro-Parties in Großraumdiskotheken ersetzt, in denen sich Cyber-Goths hinter leuchtfarbenen Gasmasken und Mundschutz verstecken. Die Musik von damals aber gibt es natürlich noch - und gleichwohl auch Künstler, die sich auch heute noch dem Besonderen verschrieben haben. Eine dieser Künstler ist Dörthe Flemming, alias BACIO DI TOSCA, die mit ihrer Opernstimme die mittlerweile dritte Fulltime-CD besungen hat. "Hälfte Des Lebens" enthält unter anderem Texte von Hölderlin, Heine und Hesse. Keine Eigenkompositionen also. Wer aber glaubt, das Wort an sich sei Aussage genug, der sollte sich das Booklet mit den Texten zuerst durchlesen - und dann die ausgebildete Mezzosopranisten in akustische Aktion treten lassen... Es erschließen sich durch die mit so viel emotionalem "Verve" vorgetragenen Stücke ganz neue Welten und es fällt schwer, bei den teilweise ins Tragische abgleitenden Tracks nicht in melancholische Stimmung zu verfallen. Aber was schadet es auch? Schwermut gehört zur Szene und zurzeit passt's notfalls immerhin zum Wetter. Aber Spaß bei Seite: BACIO DI TOSCA ist Spartenmusik für Liebhaber klassischer Kompositionen und Menschen mit einer empathischen Ader für Musik. Ein Freund von harten Gitarrensounds wird sich hier nur schütteln und Electro-Fans fragen sich vermutlich, was um alles in der Welt das mit ihrer Szene zu tun haben soll. Vermutlich mehr, als manch einer sich eingestehen mag, denn hier kommen Klassik und einige Wurzeln der deutschen Gothic-Szene zusammen. Der Tag, an dem auf einer Gothic-Discoveranstaltung etwas von BACIO DI TOSCA gespielt wird, wird den Abgesang auf die Verschmelzung mit der Technoszene einläuten. Das wird dann wohl noch dauern... BACIO DI TOSCA - anspruchsvolle Lyrik in moderne Klassikarrangements gebettet. Eine Offenbarung für Genießer und nicht festgefahrene Geister. Nicht weniger. Nein, nicht weniger! MEHR ZUM THEMA AUF NORTHERN-GOTHICS.DE Bacio Di Tosca Dörte Flemming heinrich Heine Hermann Hesse Friedrich Hölderlin Hälfte Des LebensVerwandte Artikel
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Es ist schade, dass gerade diejenigen Künstler aus der Schwarzen Szene oft am wenigsten gehört werden, die wirklich noch etwas zu sagen haben. Es wird so viel hirnloser Mist auf die gierigen Massen losgelassen, die nur zu gern einen neuen Beat durch den Körper zucken lassen, statt sich zu fragen, ob sie nicht bei WESTBAM und Co. vielleicht besser aufgehoben wären. Einen Unterschied würde es kaum machen. Auf der Schwelle zum verteufelten 30. Lebensjahr erliege ich einmal der ewigen Versuchung des "Früher war alles besser!": Was ist eigentlich aus den nebelgeschwängerten Katakomben mit Tarnnetzen an Decke und Wänden geworden, in die man sich an ausgewählten Wochenenden zurückzog? Wo sind die düsteren, verstörenden Sounds geblieben, die die damals so besondere Atmosphäre maßgeblich beeinflusst haben?