| ZENTRIERT INS ANTLITZ: Exklusives Pre-Listening im Studio |
| Webzine - Seitenblicke |
| Geschrieben von: Michael Hoch |
| Freitag, 27. Juni 2008 um 16:05 Uhr |
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Nebelschwaden ziehen auf, der lange, verwirrende Weg lässt keine Richtung erkennen. Die Dunkelheit verbreitet Angst und bedrückende Unsicherheit. Wohin es geht, kann niemand beantworten. Nur Intuition, die ins Nichts führt. Ein Augenaufschlag in hoffnungsvoller Stille. Dann eine Stimme in der Ferne. Sie spricht französisch. Vertrauen? Nein, nur das Gefühl, auf sich alleine gestellt zu sein, „Today“. Vorsichtig tastest Du dich heran an die Gemäuer in karger Natur, die vor deinen Augen bald sichtbar werden. Ein Tor geht auf, während eine kalte Kröte deine Schritte kreuzt. Du schreitest über sie hinweg und blickst noch ein letztes Mal hinter dich, bevor das Schloss zufällt und deine Zukunft von nun an nur noch in den Händen der Ungewissheit liegt. Da steht sie zwischen all den anderen, „Where their dreams live“: die Stätte des Mystery-Sounds in der „24th Dimension“. Die Treppe rauf, den heiligen Boden berührt, die On-Taste gedrückt bei Kaffee und Wasser, zurückgelehnt im Ledersessel. Schon bald erhebt sich der Klang einer wohl bekannten Gitarre, die wie von Geisterhand entstanden, die Exklusivität des ganzen Unterfangens zum Ausdruck bringt. Wenig Beats, dafür Atmosphäre pur. Ein Soundtrack für „Saw 5“? Oder ein fiktiver zweiter Teil von „Angel Heart“? Nein, „nur“ ein Besuch im Remscheider „ANTLITZ“-Studio von Marc Friedrich. Der Mann hinter ZENTRIERT INS ANTLITZ (unter anderem zuständig für Synthi, Soundsampling, Sequencing, Loops & Drums, Orchestral & Natural Instrument Arrangements), gemeinsam mit Dipl. Ing. Jürgen Warkentin (unter anderem Soundsampling, Sequencing, Loops & Drums und Arrangements) sowie Holger Meuler (unter anderem Synthesizer, Noise Loops und Effect Sampling). Drei Macher, die mit „No“ das neue Werk kurz vor ihrer Vollendung haben. „No“ steht dabei für die Inkonsequenz, ein lupenreines Album für das Label zu machen, wie wir von Friedrich erfahren. Denn eigentlich ist ZENTRIERT INS ANTLITZ ein reines Hobbyprojekt auf Profi-Ebene, das gerne genau das veröffentlicht, was sich die Drei vorstellen, ohne Kompromisse. Vom Kopf direkt in die elektronische Schaltzentrale. Für Northern Gothics dürfen wir exklusiv ins neue Album reinhören, das in nächster Zeit erscheinen soll, August vielleicht oder September. „Jedenfalls noch in diesem Jahr“, so Friedrich. Keine Eile, aber dennoch mit einem klaren Ziel vor Augen. Beim Hören von „No“ entstehen unweigerlich fiktive Bilder. Man möchte sich dazu ein Drehbuch zusammenspinnen. Wer ein zweites „Mutilate“ erwartet, mit einem Follow-Up zur reizenden „Geschäftsfrau“ muss einen Gang zurückschalten. Aber alleine bei diesen zehn ersten Tracks, die wir uns in seinem „Studio“ verinnerlichen, wird es laut Friedrich nicht bleiben. Ein paar Knaller sind noch in Planung. Es bleibt spannend. Auch wer neidvoll liest, dass wir im Zuge dieses Prelistenings an einem „Weekend“ im Mai in den heiligen Hallen Platz nehmen durften, muss sich von der Utopie verabschieden, gedanklich Schloss ähnliche Gemäuer am Rande der Stadt vorzufinden mit Königsthron und blühendem Vorgarten, der vom Privatgärtner in liebevoller Handarbeit gehegt wird und nebenbei noch regelmäßig die Tantiemen für den Hausherren putzt. „No“: die Realität sieht anders aus. Wie und welcher Form und vor allem wo werden wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Musiker sind ja auch nur Menschen. Im Falle von ZENTRIERT INS ANTLITZ welche mit Seele und großem Herz für die Arbeit. Die Demokratie: Jeder bringt was ein, „hör mal hier, hör mal da“. Und Friedrich hat das Gros schon im Kasten. Und macht den Feinschliff, für eine Welt voller martialischer Sound-Effekte. „Shamisen Jangle“, bisheriger Track 9, vermittelt zum Beispiel asiatisches Gefühl mit eben jenem japanischen Saiteninstrument, das hier elektronisch exzellent „nachgebaut“ wurde. Sitar-Klänge dann auf „Perphenazin“ zur möglichen Linderung von Symptomen wie heftige Stimmungsschwankungen, Wahn- oder Zwangsvorstellungen. Dabei bewirkt „No“ genau das Gegenteil. Kein Medikament notwendig. „No“ selbst könnte die Medizin gegen überlastete Ohren sein. Wenn auch die Masse an Tracks bereits fertig ist, so ist die Form der Veröffentlichung noch nicht bekannt. Da kann es durchaus sein, dass „No“ im Internet für jedermann bereitgestellt wird so wie der Vorgänger „Diametral“ und es vielleicht keine reguläre CD geben wird. Auch Vinyl wäre vorstellbar. Zumindest ist es ein großer Wunsch Marc Friedrichs, der jedoch angesichts horrender Produktionskosten möglicherweise nicht unbedingt seine Umsetzung findet. Aber träumen darf man ja schließlich. Erstes Fazit: Effektvoll und sehr atmosphärisch, das bisher ruhigste Album der Formation, die sich mit „No“ nur noch auf den einen Namen ZENTRIERT INS ANTLITZ konzentrieren wird. Die Seitenprojekte E.M.I.T.R und INNOVATION REALITY gehören damit der Vergangenheit an. Nachtrag: Kurz nach der Veröffentlichung dieses Berichtes wurde der Vertrag über das Album unter Dach und Fach gebracht. Das Album erscheint im November/Dezember 2008 bei Tympanik Audio. |
