WUMPSCUT: Schädling
Webzine - Rezensionen
Geschrieben von: Stefan Surkamp   
Dienstag, 01. April 2008 um 01:00 Uhr

schaedlingMan ist von Rudy Ratzinger alias :WUMPSCUT: inzwischen einiges gewohnt. Vor allem, dass er mit schöner Regelmäßigkeit im Frühjahr ein Album auf den electrogeschwängerten Markt wirft. So auch in 2008, in welchem das neueste Werk aus der Landshuter Musikschmiede am 21. März das Licht der Verkaufsräume erblickte. Und wieder einmal fragt sich eine ganze Fraktion der Schwarzen Szene, was sie wohl dieses Mal erwartet. Und die Frage ist durchaus berechtigt, wenn man sich die Releases der letzten Jahre seit der „Wreath Of Barbs“ ins Gedächtnis zurückruft. Um es kurz zu machen: Die Reputation des schwarzen Ratzingers schwindet schneller, als die seines verpapsteten Landsmannes und Namensvetters auf dem heiligen Stuhl. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Rudy sein neues Baby vollmundig als "Most important release in 2008" anpreist.

Vor einiger Zeit kam im Forum dieser Seite einmal die Diskussion auf den von den einschlägigen Magazinen zum Gott der elektronischen Musik emporgelobten :WUMPSCUT:-Macher. Es ging um die Entwicklung des einstigen Vorzeigeprojektes von der „Music For A Slaughtering Tribe“ bis zur „Body Census“ und die Meinungen gingen deutlich weniger weit auseinander, als man es sonst bei Diskutierenden innerhalb der Szene gewohnt ist. Negativ und negativer wurden die Äußerungen über die stilistische Entwicklung der Tracks, bis sich irgendjemand zu der Bemerkung hinreißen ließ, dass „…er uns wahrscheinlich seit Jahren nur verarscht und drauf wartet, dass ihm mal jemand sagt, er solle gefälligst mal wieder vernünftige Musik machen!“

Nun, vielleicht sollte man an dieser Stelle noch nicht ganz so weit gehen sondern stattdessen einmal das aktuelle Material näher betrachten bzw. einer eingehenden Hörprobe unterziehen: Den Einstieg markiert der Track „Rusty Nails From Hell“, welcher einem verdammt bekannt vorkommt, wenn man die letzten beiden :WUMPSCUT:-Alben noch in Erinnerung hat. Rudys Shouts und der Stimmmodulation folgende Sounds im Background sorgen für einen unspektakulären Auftakt und markieren, wie sich zeigen wird, dennoch das interessanteste Stück Musik auf „Schädling“.

Der Folgende Song „Schäbiger Lump“ gehört eher in die ruhige Ecke und wird beherrscht von einem Sample, welches den Text „Sie sind ja ein schäbiger Lump!“ zum Inhalt hat und Brockenweise in die Synth-Lines geworfen wird. Immerhin, und das als kleiner Lichtblick: Rein handwerklich sind die Textsamples nach wie vor perfekt in die Musikelemente eingewoben – zumindest das hat man im Hause Ratzinger nicht verlernt. Sofern man nicht auf den Euro-Dance der 1990’er Jahre abfährt, aus dem diverse musikalische Anleihen herauszuhören sind, darf man die folgenden vier Tracks („Oh How It Feels“, „Foretold“, „Break The Seal“ und „Rifki“) getrost ignorieren. Allenfalls zu „Rifki“ sei noch ein Wort verloren: Grauenhaft!

Die zweite Albumhälfte läutet das Stück „Enemy“ ein, welches immerhin ansatzweise die alte Klasse des einstigen Prestigeprojektes der Electroszene erahnen lässt. Textlich ist auch hier nicht viel zu holen bzw. zu erwarten, aber wenn man das musikalische Gesamtkonzept des Songs einmal etwas im Geiste zerlegt, dann kann man in Gedanken die glorreichen Zeiten wieder aufleben lassen, in denen – und hier sei ein original Rudy R.-Zitat zweckentfremdet – Satan persönlich aus dem Lautsprecher sprang. Hallelujah!

„Hard To Bear“ bietet beste Tanzmusik für die Techno- und Tranceschuppen der Republik und kann mit etwas Glück und bösem Willen sicher von einem Dieter Bohlen und dem aktuellen DSDS-Gewinner zu einem Sommerhit verwurstet werden. Das gäbe zumindest mal wieder Futter für die Kommerzdiskussion, die bei jedem neuen :W:-Release erneut aufkeimt. Der Folgetrack „Spuuk“ trägt zwar schon die Versprechung „(now is over)“ im Untertitel, markiert aber leider noch nicht den Schlusspunkt dieses Machwerks. Nein, zuvor müssen noch die Chillout-Tracks „Moloch“, „Voodoo Void“ und „Nest“ überstanden werden. Dann aber hat man wieder einmal ein :W:-Album hinter sich gebracht, das mehr Fragen aufwirft als das letzte. Dabei konnte man sich damals schon keinen Reim darauf machen, was Herr Ratzinger einem eigentlich mitteilen wollte.

Mein Fazit: Einer MUSS es mal sagen! Rudy, mach’ gefälligst mal wieder vernünftige Musik!

 
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